Die Herzdame hat in ihrer schier endlosen Weiterbildung mittlerweile die überaus unerfreulichen mathematischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben weit hinter sich gelassen und beschäftigt sich nun mit eher bunten Medienthemen. Dabei sollte sie gestern ein Storyboard entwerfen, für eine Kamerafahrt auf ein Gebäude in umgebender Landschaft. Sie kam aber nach einigen Versuchen mit Bleistift darauf, daß ihre gezeichneten Gebäude immer nur wie schiefe Milchtüten aussehen, was sie als peinlich empfand. Sie bat mich daher, statt der Zeichnungen Photos zu machen, die sie dann zu einem Storyboard zusammenfügen wollte. Mangels Modellgebäuden in unserer Wohnung wurde dafür ein tatsächlicher Milchkarton auf die Landschaft des Ehebettes plaziert. Warum ein photographierter Milchkarton im Bett, der ein Gebäude sein soll, weniger peinlich ist als eine Zeichnung, die kein Milchkarton sein soll, aber doch so aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Die spinnen, die Medienmenschen, aber ihr Wunsch war mir natürlich Befehl.

So schob die Herzdame den Milchkarton auf der Suche nach der richtigen Position durch das Ehebett, simulierte Stehlampe schwenkend Sonnenuntergänge und mit untergeschobenen Kopfkissen Berge und Täler, während ich, von einer Leiter aus einen Photographen im Hubschrauber imitierend, phantastische Panoramaaufnahmen des Arrangements machte. Die Herzdame erklärte mir dabei des längeren den Sinn und Zweck der Übung, aber ich konnte sie leider überhaupt nicht verstehen, da ich rollenkonform lautstark einen Hubschrauber nachmachte.

Ich nehme durchaus auch Aufgaben ernst, die ich nicht verstehe.

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