Die Herzdame und ich sind über das Wochenende in ihr Heimatdorf gefahren, wo es gestern die Hochzeit der Schwester der Herzdame zu feiern gab. Die Ehe wurde im Rathaus der nahegelegenen Stadt Minden geschlossen, einem Bau, der von außen noch etwas nach vergangener Pracht einer einst erfolgreichen Handelsstadt aussieht, von innen jedoch nur noch nach akuter kommunaler Verarmung. Da wir mit der Hochzeitsgesellschaft viel zu früh da waren, mussten wir sehr lange Zeit im Vorraum des Trausaals warten. Ein eher trüber Raum, so dass uns nach einer Weile nicht unerheblich langweilig wurde.

Die Herzdame kam beim Umherschlendern auf die Idee, sich mit Schwung auf eine der breiten Marmorfensterbänke zu setzen, das hat in der Kindheit schließlich auch zur Überbrückung solcher endlosen Wartezeiten beigetragen, wenn man etwas auf dem Mobiliar herumalbern konnte.

Wir wissen daher jetzt, dass Marmorfensterbänke ganz erstaunlich leise brechen, mit einem wirklich bescheiden zu nennenden Geräusch. Marmor krümelt auch nur ein wenig, wenn er bei starker Belastung bricht, gar kein Vergleich zu Glassscherben etwa. War gar nicht schwer, die Trümmer dezent unter die Heizung zu schieben. Der Bruch in der Fensterbank passt eigentlich auch gar nicht schlecht zur ohnehin heruntergekommenen Ausstrahlung des Rathauses.

Man sollte aber wohl doch das kindgemäße Herumtollen in einem bestimmten Alter einstellen und eher Strickzeug dabeihaben. Zumindest in denkmalgeschützten Gebäuden. 

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