Bei einer Kaffeetafel für die Nachbarn im Heimatdorf der Herzdame wurden verblüffende Mengen an Torten und Kuchen aufgetragen. Erstaunlich auch, wieviel davon die älteren Herrschaften aus dem Dorf essen konnten: „Ein Zitronenschnittchen geht immer noch“. Ich bedaure bei solchen Gelegenheiten sehr, daß weder die Herzdame noch ich je eine Neigung zum Backen entwickelt haben, es ist ja doch ein Stück Heimat im sonntäglichen Kaffeetrinken mit Torte. Wundervoll die plattdeutschen Gespräche der anwesenden älteren Damen über Rezeptvarianten bereits verstorbener Nachbarinnen zu Frankfurter Kranz und anderen Klassikern Der Kuchen schmeckt noch einmal so gut, wenn einem dabei die lange Geschichte der Rezeptfindung erzählt wird.

Einer der Senioren nahm sich gerade ein Stück Kirschtorte, als die Nachbarin zu seiner Rechten sich hinter seinem Rücken zu seiner Frau beugte, die zu seiner Linken saß: „Hat ihr Mann nicht Diabetes?“, was die Ehefrau mit einem strafenden Blick auf die Torte, die ihr Mann gerade auf seinen Teller bugsierte, bejahte. „Hatte meiner ja auch“, fuhr die Nachbarin vielsagend fort, wobei der Kuchenesser sie in skeptischer Ahnung von der Seite ansah und den Teller näher an sich heranrückte. „Und“, fragte die Ehefrau, „Was ist aus dem geworden?“. Die Antwort, mit einem unmißverständlichen Blick auf die Torte: „Ist dann an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.“

„Ja“, sagte die Ehefrau, „Das kann wohl schon mal davon kommen“ und stieß ihrem Mann dabei den Ellbogen in die Rippen. Ihr Mann schob seinen Stuhl etwas zurück, nahm den Teller auf seinen Schoß, um aus der Schußlinie dieses Gesprächs zu kommen und beschränkte seine Teilnahme an der Diskussion auf einen einzigen kategorischen Satz: „Mi geiht dat good!“ Woraufhin er sich auf seine Schwerhörigkeit besann und es vorzog, dem weiteren Austausch der beiden Damen über Krankengeschichten nicht mehr zu folgen.

Das dürfte wohl die plattdeutsche, seniorentaugliche Version von „You gotta fight for your right to party“ sein.

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