Die Herzdame war am Wochenende ohne mich in ihrem Heimatdorf. Es kommt selten vor, daß wir für längere Zeit getrennt sind, so selten, daß auch drei Tage schon unter „längere Zeit“ fallen. Entsprechend war ihr Aufbruch von einem innigen Abschied begleitet und wurde von mir selbstverständlich verbunden mit der Bitte an sie, sich vom Ziel der Reise umgehend zu melden. Das ist ja eigentlich eine nette Tradition, daß der reisende Partner telefonisch die gute Ankunft meldet, man kann sich dann zum Beispiel gegenseitig der immer noch fortbestehenden Liebe versichern, welche soeben etwa drei Stunden Trennung überlebt hat. Man kann sich auch erzählen wie das Wetter jeweils ist, wie es morgen sein wird und was es zum Essen gibt. Man kann sich weiter anhören, daß der andere „gut durchgekommen“ ist oder eben nicht, obwohl es eigentlich eine entbehrliche Information ist, denn angekommen ist er ja offensichtlich. Man hat sich natürlich nicht unbedingt Schwerwiegendes mitzuteilen, bei solchen Telefonaten. Es geht ja nur darum, sich banale Dinge zu sagen und dadurch Nähe herzustellen, als wäre man gar nicht richtig getrennt.

Die Herzdame hat es diesmal aber vorgezogen, alle sinnlosen Informationen gleich komplett wegzulassen. Statt des erwarteten Anrufs hielt sie am Ortseingangsschild des Heimatdorfs kurz an, machte mit dem Handy ein Photo davon und schickte es mir kommentarlos per MMS. Mit diesem einen Bild sollte natürlich trotz des gravierenden Mangels an Worten alles gesagt sein. Sicher auch der Teil mit „Ja, ich liebe dich noch“ und „ich denk an dich“ und „du fehlst mir“ und derlei, ganz sicher. Es war bestimmt nur ihre stets zeitsparende und hocheffiziente Art mit solch sensiblen Botschaften umzugehen. Nehme ich an. Ich habe als verstehender Ehemann in bemüht gleicher Effizienz auf das Bild daher nur geantwortet: „Ich dich auch.“

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