Selbstverständlich ist es etwas albern, sich länger mit der Frage abzugeben, was genau es für einen selbst bedeutet, vierzig Jahre alt zu werden. Es ist natürlich auch einfach nur eine Zahl, Vierzig ist gar kein Alter und selbstverständlich stehen einem noch alle Möglichkeiten offen. Aber ja doch. Warum ich bei Treffen mit Gleichaltrigen, denen das Ereignis in diesem Jahr ebenfalls bevorsteht, dennoch regelmäßig in äußerst sentimentalen Themengefilden mit vehementen Anfällen von “weißt du noch…” lande, kann ich mir gar nicht recht erklären.

Gestern abend war ich mit meiner Freundin Birgit, wenige Tage jünger als ich, im Sommersalon auf der Reeperbahn, einer meiner bevorzugten Adressen, wenn es um einen entspannten Abend geht. Birgit hatte gerade festgestellt, daß die Kurse, die sie an der Hamburger Universität nehmen möchte, unter die Bezeichnung “Kontaktstudium für ältere Erwachsene” fallen und war einigermaßen angeschlagen von diesem Begriff. Ich schlug ihr folgerichtig vor, in der Mensa nach dem Seniorenteller zu fragen. Einige wenige Getränke später waren wir bereits bei der Planung monströser Alles-vorbei-Partys, fragten uns gegenseitig nach Faltenbildung und grauen Haaren, zählten auf, was wir alles nicht mehr erreichen würden und taten uns nach Kräften leid. Man muß sich bei solchen Gelegenheiten ja nur kurz fragen, wer aus dem Bekannten- und Freundeskreis bereits tot, schwer krank, ruiniert oder geisteskrank ist, um sich die Stimmung und den Schwung sehr erfolgreich zu ramponieren. “Was macht eigentlich die Dings?” “Die hat sich doch umgebracht.” “Ach…”.

Um uns herum war es während des Gesprächs voll geworden, wir sahen uns etwas um und stellten fest, daß wir mit Abstand die ältesten Gäste waren. Nicht nur mit etwas Abstand, sondern mit dramatischen rund zwanzig Jahren Abstand. Vielleicht war eine Party zum Studienbeginn dort eingefallen, vielleicht war es ein feiernder Abiturjahrgang, wir müssen jedenfalls gewirkt haben wie die zuständigen Jugendbetreuer.

Und während wir die extrem jungen Gäste beobachteten, die ums uns her angestrengt, aber unbedingt lässig sein wollend herumstanden, deutlich auf Wirkung bedacht und sich sorgsam selbstinszenierend, dauernd guckend, wer wohl guckt und mit allen Anzeichen von geradezu fieberhaftem Balzverhalten, aus unserer Sicht modisch albern, aber sicher sehr durchdacht aufgebrezelt und durch und durch auf Show bedacht, da haben wir es doch gemerkt: So jung möchte man auf keinen Fall noch einmal sein. Vierzig ist schon in Ordnung. Ein feines Alter. Man kann einfach irgendwo sitzen. Ohne dauernd auf seine Wirkung zu achten, ohne sich etwas beweisen zu müssen, ohne krampfhaft permanent die Flirtwirkung testen zu müssen. Einfach so. Herrlich! Was für eine Freiheit. Wir rutschten tiefer in die Sessel und stellten übereinstimmend fest: Mit vierzig Jahren hat man sich etwas Entspannung redlich verdient.

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