Wenn man Urlaub hat und nicht wegfährt, liegt man meistens nicht, wie eigentlich geplant, auf der Couch und liest wundervolle Bücher, man erledigt vielmehr dauernd dies und das, bringt Dinge weg und holt sie ab, räumt auf und kauft ein, macht Termine und sucht Parkplätze, bis sich so ein langer, freier Werktag auf gefühlte zwei Stunden reduziert hat und plötzlich vorbei ist. Immerhin kommt man aber in den ungewohnten Genuß, mit mehr Menschen als nur mit den Büronachbarn Kontakt zu haben. Ich habe an einem einzigen Tag in wenigen Stunden zum Beispiel folgende Menschen erleben dürfen: Einen Hamburger Taxifahrer, der nicht wußte, wo die Lange Reihe ist, was in dieser Stadt in etwa heißt, daß man wahrscheinlich keine einzige Strasse kennt. Mit dem kameradschaftlichen Hinweis „Du mir zeigen“ brauste er dann in dramatisch überhöhter Geschwindigkeit an den richtigen Abzweigungen vorbei, bevor ich mir eine passende Strecke überlegt hatte. Kurz darauf eine Frau in einer Textilreinigung, die auf meine Frage nach der möglichen Entfernung von Flecken aus einem Pullover wörtlich antwortete :“Ja was weiß ich denn.“ Eine Verkäuferin an einer Käsetheke („Hier arbeitet Fachpersonal“, stand auf einem Schild), die auf die Frage, welcher Käse noch in der geschmacklichen Richtung von Old Amsterdam liegen würde, antwortete: „Sie müssen schon selber wissen, was ihnen schmeckt“ und offenkundig nur eben Schnitt- von Streichkäse unterscheiden konnte.

Die Frau im Blumenladen, die Strelitzien nicht dem Namen nach kannte, sondern erst nach Zeigen mit dem Finger meinen Wunsch verstand, fiel da schon gar nicht mehr auf.

Ich bin gespannt, wann mich der erste Busfahrer nach dem Weg zur nächsten Haltestelle fragt.

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