Es hat einen irgendwie merkwürdigen Beiklang, so nach dem letzten Eintrag, aber das Stück “Die Ziege oder wer ist Sylvia” in den Hamburger Kammerspielen handelt tatsächlich von Sodomie, von der Liebe zu einer Ziege. Im ideellen und durchaus auch im körperlichen Sinne, da bleibt es nicht bei zarten Andeutungen. Natürlich reiner Zufall, daß es hier auf diesen anständigen Seiten schon wieder um geliebte Tiere geht.

Das Stück von Edward Albee soll, wenn man den Zeitungskritiken glaubt, viele Fragen zur Moral und zur Wirkung der Liebe aufwerfen. Ich denke es mir bei allem Respekt vor dem Autor eher so: Er hatte die interessante Idee, daß sich ein Mann von fünfzig Jahren plötzlich in eine Ziege verliebt – und viel mehr fiel ihm dann auch nicht ein zu dem Thema, zu Ende gedacht wird da eher wenig und ein moralisch aufrührendes Stück ist dann doch etwas anderes. Macht aber nichts! Ganz egal, wenn das Stück so brillant inszeniert und so grandios besetzt ist. Vor allem mit Catrin Striebeck in der weiblichen Hauptrolle, die absolut hinreißend ist und mit einer Leidenschaft spielt, die geradezu raumfüllend ist. Guntbert Warns und Stefan Jürgens ebenfalls in Bestform, Sven Fricke in der Nebenrolle des Sohnes zeigt wundervoll, wie man mit einigen wenigen Sätzen eine Figur vollkommen überzeugend darstellen kann.

Sie alle spielen viel besser als das Stück ist, es ist eine Freude, ihnen zuzusehen, es lohnt den Besuch. Vorführungen noch bis 30.April. Hingehen!

Aber wie kann es eigentlich sein, daß meine Freundin Andrea und ich die einzigen Menschen unter sechzig Jahren in so einer Vorführung sind? Können die Jahrgänge vor uns etwa mit Sodomie mehr anfangen? Man sollte ja eigentlich denken, wir wären ein geburtenstarker Jahrgang, der ganze Arenen füllen könnte. Seltsam.

Das war leider bei allen Theaterbesuchen der letzten Zeit sehr deutlich, man geht da doch anscheinend erst als Rentner hin. Aber auch das hat natürlich seinen Vorteil – an den Theaterabenden fühle ich mich so wenigstens durch und durch jung.

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