Die Herzdame hat einen geländetauglichen Charakter und ist nicht leicht zu erschüttern, aber natürlich gibt es auch bei ihr einige Schwachstellen. Zum Beispiel eine als panisch zu bezeichnende Angst vor Spritzen, welche bewirkt, daß sie nach so einem kleinen Stich gerne mal umfällt und in Arztpraxen für Aufruhr sorgt. Aller Erfahrung nach fällt sie sogar mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit dem Arzt nach dem Pieks vor die Füße, wie sie mir des längeren erklärt hat. Heute morgen waren wir nun beide zu einer Schutzimpfung (hat ja auch etwas von Romantik, das erste Mal gemeinsam in einem Sprechzimmer) und ich habe mich insgeheim schon das ganze Wochenende darauf gefreut, nach erfolgter Impfung die erbleichende Herzdame in meinen Armen aufzufangen und zur nächsten Liege zu tragen, denn so etwas ist ja eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich als Gentleman mit sehr hohem Nutzfaktor zu erweisen. Und was passiert – nichts. Die Herzdame guckt nur etwas krampfhaft zur Decke, der Arzt sticht, sie zieht sich ungerührt wieder an und geht aufrechten Schrittes aus dem Behandlungsraum. Einfach so.

Ich fühle mich um eine glänzende Möglichkeit betrogen.

%d Bloggern gefällt das: