Die Frühlingslesung rückt näher, erschreckend näher sogar. Die Herzdame ist der Ansicht, ich müsse mangels einschlägiger Erfahrung unter möglichst realen Bedingungen trainieren, Texte laut und wohlartikuliert zu lesen. Dazu trägt sie sehr gerne bei, was ihr möglich ist. Das heißt, ich lese laut vor mich hin, während die Herzdame auf dem Sofa vor mir sich mit Feuereifer die Seele aus dem Leib hustet, mit imaginären Sitznachbarn über den Blödmann am Mikro spricht, an den falschen Stellen lacht, ihr Handy klingeln läßt oder sms schreibt. Sie hat auch schon mitten im Text kommentarlos den Raum verlassen, nach jedem zweiten Wort „Lauter!“ gebrüllt und ist laut polternd von einem ebenfalls imaginären Klappstuhl gefallen. Sie gibt sich wirklich Mühe. 

Seit sie auf die Idee gekommen ist, mich beim Lesen mit Unterwäsche und Kuscheltieren zu bewerfen, hat die Sprechübung auch einen Aspekt von Torwarttraining bekommen, aber das ist in diesem WM-Jahr ja nur stimmig. Immer mit dem Zeitgeist gehen.

 

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