In der S-Bahn steht eine Gruppe jugendlicher Türken. Sie sind in diesem Look irgendwo zwischen Gangsta, Mafiaschick und Mannschaftssport gekleidet, sie stehen alle sehr breitbeinig, drücken die Brust weit raus und können vor Kraft kaum gehen. Alle im schlimmsten Angeberalter und, wie man leicht erkennt, in schärfster Konkurrenz zueinander. Sie reden über Sport und erzählen die Großtaten vom Wochenende, was sie im Fußball klargemacht haben („Die haben wir gekillt, aber ganz schnell“), was sie an Gewichten gestemmt haben, wie die erste Stunde Kickboxen war („Kickboxen! Voll der Hammer!“). Alle haben natürlich fast unvorstellbare Heldentaten vollbracht. Einer erwähnt, daß er am Sonntag Nordic Walking gemacht hätte. An der Alster. Mit der Familie. Die anderen schweigen irritiert, sehen ihn an, sehen dann sich an, sehen ratlos den an, der wohl der Anführer der wilden Truppe ist, er sieht ein wenig älter aus als die anderen. Er fragt im Tonfall ausdrücklichen Unglaubens:

„Nordic Walking? So mit Stöckern gehen? Mit deinen Tanten? Willst du uns verarschen?“

Dem Angesprochenen wird natürlich klar, daß er einen fatalen Fehler gemacht hat, hektisch erzählt er von den besonderen Anforderungen an die Kondition („Das geht auf die Pumpe, ich sag dir!“) und an die Beinmuskulatur, aber es ist sinnlos. Der Rudelchef legt ihm die Hand auf die Schulter, sieht sich im vollen Bewußtsein seiner Verantwortung im Kreise seiner Gefolgschaft um, guckt sehr ernst und sagt dann zu dem verhaltensauffälligen Jungkrieger:

„Alter, ich bin dein Freund. Wenn du schwul bist, laß uns reden.“

Man könnte darauf wetten, daß es im Laufe der Woche eine neue Anmeldung beim Kickboxen gibt.

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