Die Herzdame und ich haben gestern eine kleine Unstimmigkeit etwas eskalieren lassen, da uns beiden gerade danach war, so etwas kommt ja mal vor. Und weil wir gerade so gut im Zuge der wechselseitigen Beleidigungen waren und der jeweils andere so furchtbar im Unrecht war, haben wir beschlossen, die Sache ganz zu Ende zu denken und einfach den Scheidungsfall anzunehmen. Natürlich nicht ernsthaft. Man kann ja auch in Streitsituation noch scherzhaft sein, denn wenn man das Ganze nur stark genug übertreibt, endet man im besten Fall irgendwann in Gelächter. Dachten wir.

Wir begannen also unsere Habseligkeiten aufzuteilen, denn bei Trennungen muß ja entschieden werden, wer was bekommt. Dein Bett, mein Bett, deine Bücher, meine Bücher, jeder ein halbes Sofa und so weiter. Das ging erstaunlich gut und flott, wir sind aber auch erst seit kurzer Zeit verheiratet und haben bisher nicht allzuviel Gegenstände gemeinsam erworben. Wir wissen fast bei allem noch, was von wem kommt und, wie die Herzdame sagt: „Deine CDs möchte eh keiner haben.“ Wir haben mit diesem Gespräch allerdings unsere Tanzlehrerin sehr irritiert, denn wir diskutierten die Trennungsmodalitäten dummerweise während einer Einzelstunde zum Wiener Walzer. Man stimmt Beziehungskrisen ja nun mal nicht mit dem Kalender ab, die treten eher unvermutet auf. Gleichzeitig die Linksdrehung dieses Walzers zu üben und dabei zu klären, welcher Teller wem gehört – auch nicht einfach.

Wir kamen jedenfalls inhaltlich geradezu erschreckend einfach voran, nichts schien uns aufzuhalten, alles klar geregelt in Wohnzimmer und Schlafzimmer, was liegt eigentlich im Bad? Die beiden Föhne nehme ich, sagte die Herzdame, woraufhin ich sie natürlich fragte ob sie noch bei Trost sei. Einer der beiden gehört selbstverständlich mir, denn den habe ich in den gemeinsamen Hausstand eingebracht, wie ich deutlich erinnere. „Da hattest du auch noch Haare“, sagte die Herzdame und sah mich triumphierend an. Ich habe ihr erklärt, daß es aber doch eine Frage des Prinzips sei, bei einer anständigen Teilung nicht einen der beiden Partner mit zwei Föhnen ziehen zu lassen, das ginge einfach nicht. Und soviel Haare, daß ein Föhn nicht reichen würde, hat sie nun auch nicht.

Außerdem würde ich es natürlich, wenn ich denn wieder Single wäre, es von Zeit zu Zeit begrüßen, Damenbesuch zu haben, sogar über Nacht. Und wer weiß, so ein Damenbesuch freut sich am Ende über einen Föhn im Bad des männlichen, stoppelhaarigen Singles und weiß es zu schätzen, daß da Service geboten wird. Ich bin ja eigentlich ein Netter und habe das Wohl der anderen stetig im Blick, sogar das der mir noch unbekannten künftigen Dame mit nassen Haaren.

Darüber hat die Herzdame eine ganze Weile nachgedacht. Und mir dann angeboten, doch lieber zusammenzubleiben, denn das mit dem unkontrollierten Damenbesuch, das hatte sie so nicht bedacht und der Gedanke schien ihr doch recht unsympathisch. Das nahm ich wiederum mit großer Freude zur Kenntnis, denn ich phantasierte gerade über eine Diskussion mit einem künftigen weiblichen Übernachtungsgast, sie fragte mich drohend und in giftigem Ton, ob ich als eher haarloser Mensch etwa extra für die ganzen One-Night-Stands einen Föhn im Bad hängen hätte. Das Leben als Single erschien mir schlagartig als viel zu kompliziert, um es wieder erstrebenswert zu finden. So vertrugen wir uns lieber wieder und der Wiener Walzer, den wir bis dahin im Eifer des Gefechts eher wie ein geflippertes Vieleck absolviert hatten, wurde plötzlich zu einer runden und eleganten Angelegenheit. Es ist ungemein hilfreich, Dinge zu Ende zu denken.

Ich habe dann zu Hause der Herzdame schon einmal ganz offiziell meinen Föhn geschenkt. Als Zeichen ewiger Verbundenheit, sozusagen.

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