Die letzte Woche war in Hamburg geradezu bitter kalt und auch Regen gab es nicht eben wenig. Zwischen den Niederschlägen einzelne Schauer, wie es hier scherzhaft heißt. Als ich an einem der letzten Werktage vor Pfingsten abends aus dem Fenster in den Regen sah, auf die frierenden Menschen, die da um Pfützen herumgingen und mit den Schirmen gegen Wind und Wasser kämpften, dachte ich an die Herzdame, die gewiß gerade auf dem Heimweg von der Arbeit war. Vergleiche mit kläglichen nassen Katzen drängten sich mir auf, als ich mir vorstellte, wie sie irgendwo im Regen auf einen natürlich nicht kommenden Bus wartete. Da hatte ich die wundervolle und sehr für mich sprechende Idee, ihr Arbeitszimmer zu heizen, und zwar volle Pulle. Ich bin nämlich gewöhnlich eher geizig mit der Heizung, schon gar in der theoretisch warmen Jahreszeit, während die Herzdame prinzipiell gerne in einer Sauna leben würde, so daß die Raumtemperatur oft ein etwas kritisches Thema zwischen uns beiden ist. Ich drehte also, souverän über meinen Schatten springend, die Heizung neben ihrem Schreibtisch hoch und wartete dann im Wohnzimmer das Erscheinen der Herzdame ab, welche auch nach einer Weile nach Hause kam, genauso naß und durchgefroren, wie ich es erwartet hatte. Sie setzte sich bald an ihren Schreibtisch und ich wartete genüßlich auf Lob und Dank für meine wundervolle Idee.

Tatsächlich stand die Herzdame auch in kürzester Zeit wieder neben mir, allerdings sah ihr Gesicht nicht nach Lob, Dank und Verzückung aus, viel eher nach Fluch und Verdammnis. In einem dazu passenden Tonfall erklärte sie mir, daß ich offenkundig endgültig den Verstand verloren hätte. Denn welcher Unmensch würde schon seine Ehefrau den ganzen Winter lang damit quälen, in jedem Raum die Heizung herunterzudrehen, um dann im Sommer einen vollkommen leeren Raum auf höchster Stufe zu heizen, während ich selbst dabei wiederum im kalten Wohnzimmer säße. Es folgten Hinweise auf mein höheres Alter, verbunden mit Andeutungen, die sich auf gewisse Hirnerkrankungen bezogen.

Ich habe ihr natürlich ausführlich erklärt, daß ich ausschließlich zum Zwecke der Herzdamenbespaßung dieses phantastisch warme Arbeitszimmer inszeniert hätte und der Grund also in meinen charakterlichen Vorzügen, nicht etwa in mentalen Fehlfunktionen zu finden sei, aber so recht in Dankbarkeit verfallen wollte sie dennoch nicht, es blieb etwas Mißtrauisches in ihrem Blick. Geschenke, die man erklären muß, haben selten einen durchschlagenden Erfolg, wie es scheint. Ein paar rote Rosen zu kaufen, um die Dame zu erfreuen, ist vielleicht eine etwas altmodische Methode, sie funktioniert aber absolut zuverlässig. Kreative und neue Ideen dagegen sind mit erheblichen Risiken behaftet.

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