Die Herzdame und ich haben nach längerer Pause mal wieder eine Wohnung besichtigt, und gleich mit schönem Erfolg. Wenn man es als Erfolg sehen möchte, daß uns wieder eine Maklerin bewiesen hat, einem vollkommen moralfreien Berufsstand anzugehören, denn die Bestätigung von Vorurteilen hat ja auch immer etwas Stabilisierendes. Die Maklerin gestern hatte eine Anzeige aufgegeben, in der so gut wie nichts stimmte, nicht die Zimmerzahl, nicht die sanitäre Ausstattung, nicht die Kosten. Letztere stiegen vielmehr mit jeder Gesprächsminute und jedem besichtigten Zimmer, denn hier wäre noch etwas zu machen, da etwas zu reparieren und ein Fußboden, na ja, müßte wohl auch noch rein. Wobei sie eine Summe, die leicht auf einige tausend Euro zu schätzen war, ständig als „ein paar Euro“ bezeichnete. Und dann wären da ja außerdem noch die Abstandsforderungen der Vormieter. Auch noch ein paar Euro.

Als wir in dem Zimmer zur Straße standen, rumorte es von draußen unüberhörbar, laute Motor- und Maschinengeräusche. Die Maklerin wies beflissen darauf hin, daß es eigentlich in der Straße ganz ruhig sei, das sei jetzt sicher eine Ausnahme, könne sie sich gar nicht erklären. Ich stand am Fenster und hätte ihr die Geräusche schon erklären können, denn ich sah, wie ein Abschleppwagen gerade ihren roten Sportflitzer aufnahm, aber ich wollte natürlich nicht so unhöflich sein, ihren werbenden Redestrom zu unterbrechen. Als wir nach der Besichtigung vor dem Haus standen, da wo eben noch der Sportwagen falsch parkte, war es tatsächlich ganz leise in der Straße und wir haben uns von einer nun sehr schweigsamen Maklerin verabschiedet.

Die Wohnung nehmen wir aber lieber nicht und die Suche geht weiter.

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