Die Herzdame ist wieder einmal über das Wochenende zu einem Seminar gefahren, das bringt ihre Weiterbildung gelegentlich so mit sich. Gestern abend rief sie von dieser Kurzreise aus an und sprach von Sehnsucht, Vermissen und schrecklichem Alleinsein- und daß gemeinsames Schlafen doch viel schöner sei, als irgendwo einsam im Bett zu liegen. Etwas überraschend, nach nur ein paar Stunden der Abwesenheit schon so herbeigewünscht zu werden, dachte ich, nahm die Botschaft aber natürlich sehr erfreut zur Kenntnis. Ich wäre ungemein wichtig für ihr seelisches Wohl, sagte sie, und eigentlich sei es fast unmöglich, ohne mich einzuschlafen – und spätestens an dieser Stelle schwante mir dann doch, worum es in Wahrheit ging. Denn als Ehemann habe ich nicht etwa nur charakterliche Qualitäten, die von der alleinreisenden Gattin schmerzlich vermißt werden und es ist auch keineswegs nur der Kuschelfaktor, der fehlt, wenn sie nicht neben ihrem Mann liegt. Es ist schlimmer.

Das, was da sehnsüchtig werden läßt und schmerzlich verdeutlicht, was sie an ihrem Mann hat, ist vielmehr Folgendes: Wenn sie irgendwo ganz alleine schläft, gibt es keinen einsatzbereiten Alltagshelden, der eine eventuelle Spinne („Sooo groß!“) an der Decke über dem Bett entfernt, was in der Folge nichts anderes heißt, als das es eben keinen Schlaf gibt, wenn das Tierchen nicht gerade freiwillig weiterwandert.

Immer schön, wenn man gebraucht wird. Es schmeichelt dem männlichen Ego, wenn man so billig als kühner Recke auftreten kann. Und solange es nur um Spinnen geht, die zu jagen sind, und nicht etwa um Problembären oder sonstiges Großwild, soll es mir recht sein, gelegentlich ein sehr historisches Männerrollenbild mit Leben zu füllen, wenn sich das Drama an gemeinsam verbrachten Abenden abspielt: „Bring dich in Sicherheit, ich erledige das.“ Große Momente unserer Ehe, keine Frage.

Spinnen sind wirklich, wie man oft lesen kann, sehr nützliche Tiere, auch in der Partnerschaft.

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