Da meine Mutter wie wir in Hamburg wohnt, können wir gelegentlich zwischen den beiden Haushalten eine eventuelle Überproduktion an Essen austauschen. So war es auch an diesem Wochenende, sie hatte größere Mengen eines Nudelgerichtes für die Herzdame und mich über und ich holte es bei ihr ab. Am Tag danach rief sie mich an und fragte mit einem sehr skeptischen Unterton, wie es denn geschmeckt habe. Als ich wahrheitsgemäß antwortete, daß es ganz ausgezeichnet gewesen sei, hörte ich nur: „Ach. Früher mochtest du das nicht.“

Ich konnte mich allerdings beim besten Willen nicht erinnern, diese spezielle Rezeptvariante jemals gegessen zu haben, daher bestritt ich erstens kategorisch die Kenntnis des Gerichtes und wollte zweitens wissen, wieso sie da so sicher sei. Meine Mutter geriet etwas ins Grübeln, ich fragte nach, sie rechnete Lebensphasen, Wohnungen, Berufe, Männer und Küchen zurück und meinte schließlich, den Zeitpunkt gefunden zu haben, an dem sie das Rezept zum ersten und bis vorgestern letzten Mal gekocht und dabei meinen Widerwillen registriert hatte: Es war vor immerhin vierunddreißig Jahren.

Mütter haben ganz offensichtlich ein phänomenales Erinnerungsvermögen.

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