Die HerzdameDie Herzdame ist schon seit dem letzten Herbst stolze Besitzerin eines Sonnenschirmes für Spaziergänge, aber erst am letzten Wochenende kamen Freizeit und Wetter endlich so passend zusammen, daß das gute Stück eingeweiht werden konnte. Um diese Einweihung möglichst würdevoll zu gestalten, mietete ich in bester Touristenmanier ein Tretboot und strampelte die edel beschirmte Dame sportlich ambitioniert über die Außenalster. Für die Herzdame war dies eine sehr gelungene Veranstaltung, eine Hand spielte lässig außenbords im lauen Wasser, die andere hielt grazil den Schirm, ab und zu warf sie mir einen beifälligen Blick zu und machte mich nebenbei fürsorglich darauf aufmerksam, daß ich dabei sei, unter der sengenden Sonne das appetitliche Aussehen von Grillfleisch anzunehmen.

Ich klärte sie darüber auf, daß es zum typischen Look eines Kapitäns gehöre, etwas sonnenverbrannt auszusehen, als ehemaliger Küstenbewohner kenne ich mich schließlich mit so etwas aus. „Kapitän?“ fragte die Herzdame. „Du hast ja wohl das Steuer in der Hand, also bist du Steuermann. Außerdem trittst du die Pedale, also bist du auch noch Maschinist. Und da wir hier nur zu zweit sind, bin ich natürlich der Kapitän, denn einer muß es natürlich sein.“

Nun lasse ich mich nicht gerne degradieren, wenn ich mich gerade erst in eine Rolle hineingedacht habe, und ich hatte auch den leisen Verdacht, daß der sehr damenhafte Look ihr vielleicht ein wenig zu Kopf gestiegen sein könnte. Daher entwendete ich ihr den egoverstärkenden Sonnenschirm kurzerhand und beschloß, zur Entlastung meiner Beine das Tretboot damit in ein Segelboot zu verwandeln. Für alle, die sich immer schon gefragt haben, ob man wohl mittels eines stabilen Sonnenschirmes segeln kann, kann ich jetzt klarstellen: Aber sicher kann man das. Nicht sehr schnell, aber es geht. Es wäre sogar noch viel besser gegangen, wenn die Herzdame nicht dabei versucht hätte, mich aus dem Boot zu werfen und ich außerdem den Schirm, um ihn vor ihr in Sicherheit zu bringen, nicht so furchtbar hoch hätte halten müssen. Während wir so intensiv mit uns und der Seefahrt beschäftigt waren, hörten wir ein sehr lautes Lachen aus nächster Nähe. Es kam von einem dicht an uns vorbeirauschenden Segelboot (mit echten Segeln), auf dem ein junger Mann sich gar nicht mehr einkriegen konnte, so sehr amüsierte ihn unsere kleine Auseinandersetzung. Er hörte erst auf zu lachen, als er bei einem von seinen Freunden eingeleiteten Wendemanöver den drehenden Querbaum (oder wie das heißt) an den Kopf bekam.

Und obwohl er gleich wieder hochkam und es also so schlimm nicht gewesen sein wird: Es tut uns sehr leid. Wirklich. Und wir albern künftig auch bestimmt nicht mehr auf öffentlichen Gewässern herum.

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