City-Süd

Nachdem die Auswirkung der Hitze auf Damen mit Piccolo schon hier beschrieben wurde, geht es heute um die Folgen für die Berufstätigen. In der Hamburger City-Süd, in der ich meinen Berufsalltag verbringe, wimmelt es normalerweise von Anzugträgern und Damen im Kostüm, durch die Hitzewelle in den letzten Wochen hat sich hier allerdings einiges geändert. Zuerst verschwanden nach und nach Sakkos und Krawatten aus dem Straßenbild, dann sah man zusehends mehr Kurzarmhemden, in der Anfangsphase noch meist in weiß. Später wurden diese immer öfter auch in bunten und sehr bunten Varianten getragen, bis hin zu einer ungeahnten Enthemmung, was die tragbaren Muster angeht. Hierbei gilt offensichtlich die einfache Grundregel: Je Sachbearbeiter der Mensch, desto lustig das Hemdmuster. Mittlerweile ist der klassische Anzug hier vollkommen ausgestorben, der Siegeszug der offenen Sandalen ist nicht mehr aufzuhalten und ein gewisser Trend zu zwei und auch drei oberen Hemdknöpfen zeichnet sich deutlich ab. Die Damen tendieren zu weit fallenden Kleidern und luftigen Umhängen. Es gibt da erstaunliche Varianten, die mich an diese seltsamen Umkleidedinger aus Stoff erinnern, die man in den Siebzigern mit zum Strand nahm, um sich unter diesem Überwurf, der eine Einstiegsöffnung mit Gummizug hatte, dann vor dem Baden schamhaft umzuziehen. Heute mittag ging vor mir eine Frau, die etwas trug, daß ich für einen Bettbezug gehalten hätte, wenn sie nicht dringesteckt hätte. Auf einer Kanalbrücke hielt sie an, stellte sich quer zum leise wehenden Lüftchen, hob die Arme und gab jauchzende Geräusche von sich, als der Wind ihre in der Sonne leuchtenden Stoffbahnen etwas aufblähte. Die sie begleitenden Kolleginnen machten es ihr umgehend nach, so daß vier oder fünf Frauen in wehenden Gewändern, die Arme gen Westen erhoben, wie heidnische Priesterinnen über die Brücke wallfahrteten. Man wundert sich allmählich über gar nichts mehr.

Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis mir auf dem Weg zur Kantine die ersten Menschen in aktueller Bademode entgegenkommen. Oder in Baströckchen. Ich werde berichten.

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