Wenn man in einer Partnerschaft lebt und nachts im gleichen Bett schläft, was sind wohl die typischen ersten Worte, wenn morgens der Wecker klingelt und beide die Augen aufmachen? Etwas wie: „Guten Morgen, mein Schatz“? Bei der Herzdame und mir ist es standardmäßig ein leicht vergrübeltes: „Wer?“

Das liegt nun nicht etwa daran, daß wir uns fragen würden, wer da klingelt, es ist uns beiden durchaus bewußt, daß es sich um den Wecker handelt. Die Frage resultiert vielmehr daraus, daß wir beide abwechselnd morgens für Kaffee sorgen, an einem Tag sie, am nächsten Tag ich. Das heißt, einer von uns beiden hat jeweils die Chance, noch eine Viertelstunde liegenzubleiben, während der andere sich in die Küche schleppen muß. Da wir beide nun aber morgens nur begrenzt denkfähig sind, müssen wir uns erst mühsam durch das Dickicht der halbverschlafenen Gedanken kämpfen, bis uns einfällt, wer an diesem Morgen dran ist. Daher die Frage: „Wer?“

Und da wir beide zu früher Stunde unsere eigentlich gar nicht so rücksichtslosen Charaktere noch nicht voll hochgefahren haben, sondern uns noch im Bereich eher niederer Triebe bewegen, antworten wir beide wie aus eine Munde dem jeweils anderen in der vollen Überzeugung des Moments: „Du!“ Und im Laufe der sich daran entzündenden Debatte werden wir langsam wach.

Ich gebe gerne zu, daß es sehr seltsam ist, so etwas jahrelang zu spielen, und sogar ohne nachlassende Begeisterung. Andererseits haben wir anderen Paaren damit etwas voraus, da nach der Klärung der Lage jeweils nur einer von uns aufstehen muß: Für jeden von uns beginnt so zumindest jeder zweite Tag mit einem Sieg. Kann wahrscheinlich auch nicht jeder von sich behaupten.

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