Herzdame in Friedewalde

Wir waren am Wochenende im Heimatdorf der Herzdame, um zu sehen, wie sich die Sommerhitze anderswo anfühlt.

Wenn man da an einem heißen Sommerabend um das Dorf spazieren geht, kann man es riechen, wie sich der kühlende Schatten der Dämmerung langsam im hohen Gras ausbreitet. Man kann riechen, wie die feucht werdenden Kräuter und Blüten anfangen, würziger zu duften, es macht Hunger, wenn man da durch geht. Von den schon abgeernteten Feldern dahinter riecht es noch trocken und heiß nach Staub, Stroh und Häcksel. Auf den Feldwegen zwischen den Gehölzen, wo der Boden tausendfach von silbrigen, wirren Spuren übersät ist, riecht es süßlich nach Schnecken und Waldboden. An einer Wegbiegung ragt ein alter Quittenbaum aus einem Garten, die Zweige hängen schwer über den Zaun und die zertretenen Früchte auf dem Weg duften schwer und vergoren. Die Felder, auf denen Bataillone von mannshohen Maisstauden stehen, riechen nach sandiger Erde und grünem Schatten. Der halb vertrocknete und erstickte Graben voller Entengrütze riecht schwach feucht und moderig. Aus den Gärten vor den Häusern riecht es nach Abendbrot und Grill, von den Höfen kommt der Geruch von Tieren, mal etwas stechend aus einem Kuhstall, mal der kindheitsselige Duft grasender Pferde auf den Koppeln hinter den Ställen.

Hamburg dagegen riecht bei dieser Hitze nur nach: Man kriegt einfach keine Luft.

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