Demonstration

Am letzten Freitag gab es in Hamburg wieder eine Demonstration von Libanesen oder doch jedenfalls von Menschen, die sich für dieses Land einsetzten. Es waren bedeutend mehr Teilnehmer als in der Woche davor und in den Reden ging es nun nicht mehr hauptsächlich um die Friedfertigkeit des Libanons, sondern nur noch um den aus ihrer Sicht von Israel ausgehenden Terror. Der Leiter der Demonstration trug dabei irritierenderweise ein Sweatshirt mit einem Porträt von dem Hisbollah-Chef Nasrallah darauf, diese Organisation wurde aber, wie schon in der Woche davor, mit keiner Silbe erwähnt. Auch auf den zahlreichen Transparenten und Schildern, die die Teilnehmer hochhielten, kam das Wort Hisbollah nicht vor.

Die Demonstranten hatten zahlreiche Kinder dabei, in allen Altersstufen. Auch die Kinder trugen Transparente mit Texten und Bildern, wie man sie reichlich aus den Nachrichten kennt, sehr drastische Bilder von Bombenopfern etwa und etliche Parolen, die Israel die Alleinschuld an dem Konflikt zuwiesen. Kaum vorstellbar, wie zum Beispiel ein etwa fünfjähriger Junge damit umgehen soll, daß auf dem von ihm getragenen Bild grausam zugerichtete Tote dargestellt sind. Ich stand eine Weile direkt neben einem solchen Jungen und kann erklären, wie das geht.

Er trug eine Libanonfahne wie ein Cape umgebunden und ein Pappschild, auf dem ein Foto mit Bombenopfern klebte. Er fiel mir auf, weil er das Pappschild besonders eifrig schwenkte und vor der Demonstration auf und ab lief. Er sprach deutsch mit seinen kleinen Freunden, daher kann ich wiedergeben, was er da genau tat. Die Fahne des Libanons nämlich war gar keine, zumindest nicht in Kinderaugen. Vielmehr handelte es sich um den wehenden Umhang eines Ritters, der vor der Menschengruppe hin und her ritt, um zu sehen, ob nicht vielleicht irgendwo jemand gerettet werden müßte. Das so besonders eifrig geschwenkte Pappschild war natürlich auch nicht das, wofür man es Erwachsener hätte halten können, sondern es war das Banner des sehr stolzen Ritters, der es so weit nach oben reckte, daß die ganze große Menschenmenge es auch bestimmt sehen konnte.

Der Vater des Jungen, der sich sichtlich über die Begeisterung seines Sohnes freute, hat vielleicht gar nicht verstanden, was da gespielt wurde – aber das macht nichts. Der Junge hat ja auch überhaupt nicht verstanden, was der Vater da spielte.

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