Walhalla

Ich hatte vor unserer Reise noch nie etwas von der Walhalla an der Donau gehört, aber da unser Begleiter Joachim sie unbedingt einmal sehen wollte, haben wir auf der Fahrt nach Süden einen kleinen Umweg gemacht und uns den deutschen Gedenktempel bei Regensburg angesehen. Ein durch schiere Größe beeindruckendes Bauwerk, das auf einer Anhöhe über der Donau errichtet wurde (kulturhistorisch interessierte Menschen können das hier nachlesen). Der Tempel ist als nationale Gedenkstätte gedacht, es finden sich innen zahlreiche Büsten und Tafeln für deutsche Dichter, Künstler und anderer berühmte Größen, bis hin zu Sophie Scholl.

Als wir um das Gebäude herumgingen, schritt neben uns ein älteres Ehepaar die Säulen ab, beide sehr gut angezogen, vielleicht ein wenig zu fein für so einen Ausflug, beide mit sehr ernsten Gesichtern. Sie machten mir den Eindruck, als würden sie tatsächlich zum Gedenken zu dieser Halle gefahren sein und fast nahm ich schon an, es wäre ein wichtiger Todestag und innen wäre gerade eine Kranzniederlegung vor einem der Marmorköpfe. Vor dem Gebäude stieg der Mann aber etwas zu Tal hinab und ließ die Frau oben alleine vor dem Portal stehen. Er packte unten eine Kamera aus. Kein weihevolles Gedenken also, nein, sie wollten nur Bilder machen. Bilder, die die Verbundenheit mit deutscher Geistesgröße dokumentieren sollten, die Nähe zur Dichtung und die kulturelle Beflissenheit des Paares.

Um einwandfreie Ergebnisse zu erzielen, brüllte der Mann, als er eine gute Position für das Erinnerungsbild gefunden hatte, mit kräftiger Stimme und weithin hörbar zu seiner Frau hinauf: „Du stehst hinter der Säule du dummes Stück! Beweg dich!“

Wahrscheinlich werden später Freunde der beiden beim gemeinsamen Diaabend (wenn es so etwas überhaupt noch gibt) feststellen, daß die Frau auf dem Bild vor der Walhalla dem Ort angemessen wirklich sehr ernst guckt.

Man muß als Fotograf eben genau wissen, wie man Menschen zum richtigen Ausdruck bringt.

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