Ich bin aus guten Gründen kein sehr eitler Mensch und ich rechne nicht damit, in alltäglichen Situationen mit Komplimenten überschüttet zu werden. Ich baue aber auf das gute Benehmen der Mitmenschen und rechne daher auch nicht damit, frei heraus beleidigt zu werden, was normalerweise auch gut klappt. Es klappt aber natürlich nicht bei Kindern, denn die kennen noch nicht alle Spielregeln und sind daher für seltsame Überraschungen gut.

Heute war ich mit meiner Freundin Andrea und ihrer dreijährigen Tochter Johanna-Marie in Hagenbecks Tierpark, wobei die Kleine natürlich reichlich Obst und Gemüse an diverse Tiere verfütterte. Füttern ist toll, Elefantenrüssel kommen aus dem Himmel herab, Ziegenmäuler ziehen am T-Shirt, Meerschweinchen fressen aus der Hand, alles ist großartig, da kann man im Überschwang des Moments auch mal gönnerhaft dem begleitenden Merlix etwas anbieten – und so stand sie strahlend vor mir, direkt neben dem Pavianfelsen, reichte mir ein Stück Obst auf der flachen Hand, guckte mich strahlend an und sprach zu mir: „Affe!“.

Das enttäuschte mich schon ein wenig, wie man vielleicht verstehen kann. Noch während ich krampfhaft überlegte, ob die Äußerung vielleicht nur ein Zeichen frühkindlicher Intelligenz war, der ferne evolutionäre Zusammenhang zwischen Pavian und Merlix also soeben dem schlauen Kind schlagartig klar geworden war, oder ob ich tatsächlich irgendwelchen Baumbewohnern verdächtig ähnlich sehe, erlöste mich allerdings die Mutter mit der korrekten Übersetzung des Wortes „Affe“. Das nämlich hieß eigentlich gar nicht Affe sondern „Apfel“, was für die junge Dame aber noch nicht auszusprechen ist. Sie hat also gar nicht mich als Primaten benannt, sondern nur ganz korrekt das mir angebotene Stück Obst. Das gute Kind.

Ich sollte mir vielleicht dennoch eine bessere Haltung, insbesondere einen aufrechteren Gang angewöhnen. Nur zur Sicherheit.

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