Traunkirchen

Wenn man bei bestem Wetter an einem oberösterreichischen See liegt, auf einer dieser besonders saftgrünen Wiesen (so grün, daß man für einen Moment gerne Kuh wäre, nur um hineinbeißen zu dürfen) und auf die dezent gekräuselte Wasseroberfläche guckt, wobei einen die Sonne freundlichst bescheint und ein paar Bienen stimmig umsummen, dann kann man schon mal vergessen, was einem sonst an schlechten Nachrichten präsent ist. Kein Gedanke an die Lage im Nahen Osten, an Massenentlassungen oder Unglücksfälle in Atomkraftwerken, keine Meinungsbildung zum Ärztestreik oder spannenden Fragen des Tarifrechts, es ist Urlaub, man darf auch einmal Nichtdenken.
Ich habe aber nach drei Tagen doch gedacht, daß so etwas für einen mündigen Bürger kein Zustand ist, da geht am Ende die halbe Welt unter und man kriegt es gar nicht mit. Es machte mich doch zusehends nervös, so gar nichts zu wissen. Es ist ja immer so, kaum guckt man mal irgendwo nicht hin, schon passiert etwas, wie gerade wieder bei den Übertragungen der Fußball-WM gründlich bewiesen. Wer weiß, wer gerade mit wem einen Krieg beginnt? Man sollte doch zumindest einmal Schlagzeilen zur Kenntnis nehmen. Ich lag am See und hatte mein neues Handy mit Radiofunktion dabei, ich stöpselte die Kopfhörer ein und suchte einen Sender, was mangels Auswahl gar nicht so einfach war.

Schließlich hörte ich nach ziemlich langer Suche halbwegs rauschfrei einen Moderator, der Nachrichten ankündigte: „Sie hören Radio Oberösterreich“. Gespannt stellte ich lauter und wartete auf die erste Nachricht, die ja normalerweise die entscheidende Information zur Weltlage beinhaltet.
„Es ist fünfzehn Uhr, sie hören die Nachrichten. Am Mondsee ist es gestern zu einem Reitunfall gekommen. Eine junge Reiterin stürzte bei einem Ausritt und verletzte sich leicht…“.

Ich habe das Radio gleich wieder ausgemacht. In Oberösterreich ist die Welt noch in Ordnung – und das kann man ja zumindest im Urlaub einmal billigend zur Kenntnis nehmen.

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