Die Herzdame betreut nicht nur mich in technischer Hinsicht („Du mußt das Mikro anmachen, bevor du etwas aufzeichnest…“), sie betreut auch noch ein paar andere Menschen auf ganz ähnliche Art, da sie in ihrer Firma für die Auszubildenden und Praktikanten zuständig ist. Dabei bekommt sie auch mit, wann und warum diese eventuell nicht zur Arbeit kommen, also die ganzen Fälle von Abwesenheit wegen Berufsschulblockeinheiten, Krankheiten oder Arztbesuchen. Oder etwa auch wegen eines Gerichtstermins, bei dem sich ein junger Praktikant wegen Verbreitung von Pornographie und Verletzung von Persönlichkeitsrechten verantworten muß, wie gerade geschehen.

Das klingt erstaunlich – und in der Tat ist es das auch. Und der Hintergrund des Vergehens beweist, daß der technische Fortschritt, mit dessen Ergebnissen sich die Jugend von heute amüsieren darf, ganz eigene Verlockungen und Risiken birgt, denen meine Generation gar nicht ausgesetzt war.

Der junge Mann hat seine Freundin und sich ohne ihr Wissen im Bett gefilmt, mittels einer geschickt im Zimmer placierten Webcam, um so den erfreulichen Vorgang zu dokumentieren. Zu meiner Zeit hätte da für einen vorzeigbaren Beweis noch die Kleinbildkamera reichen müssen, womöglich am gestreckten Arm über das Bett gehalten – sehr schwer, so etwas unauffällig hinzubekommen.

Im Überschwang des Momentes hat der Praktikant sich auch noch, was ich besonders verwerflich finde, zur Kamera umgedreht und mit der Daumen-hoch-Geste triumphierend ins Bild gesetzt. Das so entstandene Filmchen ist ihm dann später wie zufällig bei einer LAN-Party abhanden gekommen, kursierte eine Weile im interessierten Freundeskreis und landete schließlich, wo so etwas heute unweigerlich landet, nämlich online. Zwar „nur“ in einem paßwortgeschützten Bereich, aber doch so vielen Menschen zugängig, daß die gefilmte Freundin schließlich davon erfuhr und der Hobbypornoproduzent von ihr verständlicherweise verklagt wurde.

Wegen einer Befragung zu diesen Vorwürfen konnte er nun nicht zur Arbeit erscheinen. Zur dieser Vernehmung bei der Polizei ist noch zu erwähnen, daß er sich dort gegenüber einer Beamtin rechtfertigen sollte. Sie hatte eine Kinderbild auf ihrem Schreibtisch, darauf abgebildet der etwa zwölfjährige Nachwuchs, und als angehender Frauenversteher mit taktischem Geschick wies er im Laufe des Gesprächs wie nebenbei daraufhin, daß sie da ja eine reizende Tochter habe. Nachdem sie ihn darüber aufgeklärt hatte, daß es sich um ihren Sohn handelte, wurde die Vernehmung in eher frostiger Stimmung fortgesetzt.

Davon abgesehen, daß der ganze Sachverhalt des heimlichen Filmens natürlich vollkommen indiskutabel ist und tatsächlich eine Straftat, ist aber gerade im Interesse von nachwachsenden Gentlemen noch auf Folgendes eindringlich und kategorisch hinzuweisen:

Man gestikuliere nicht auf Damen herum. Das gehört sich wirklich nicht. Der nach oben gereckte Daumen wie auch etwa die zum Siegeszeichen gespreizten Finger sind definitiv keine ausreichend charmante Art, Begeisterung über den Flirterfolg auszudrücken.

Kein Benehmen, die Jugend von heute.

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