Streetart

Die Herzdame und ich waren über das Wochenende in Köln, um nach Freunden zu sehen, die vor kurzer Zeit durch den Erwerb eines Schrebergartens verhaltensauffällig geworden waren. Da macht man sich ja schon mal Sorgen und sieht besser einmal nach, ob sie ansonsten normale Großstädter geblieben sind – was aber erfreulicherweise auch tatsächlich der Fall war.

Köln war in geradezu unglaublicher Weise voller Reisegruppen, alle paar Meter stieß man auf ein Menschenrudel. Direkt vor dem Kölner Dom zum Beispiel eine Gruppe aus Japan, nur Männer und alle etwas aufgeregt, weil sie mit ihren Kameras den Dom nicht recht ins Bild bekamen. Wenn man auf der Domplatte steht, paßt er natürlich nicht mehr richtig ins Bild, wie man sich vorstellen kann. Auch die pionierhaft ausschwärmenden Japaner fanden in den angrenzenden Straßen keine wirklich gut geeignete Fotoschneise und liefen daher zunehmend hektisch um die Kirche herum. Einige fingen an, den Dom en detail aufzunehmen, also Steinfigur für Steinfigur und Zinne für Zinne, was wiederum diejenigen, die wohl die Gruppenanführer waren, sehr nervös machte und zu heftigem Gestikulieren trieb, bei dem sehr deutlich und oft auf Armbanduhren und den Bahnhof gezeigt wurde. Die Japaner wirkten insgesamt sehr unzufrieden und gestreßt.

Nur wenige Meter weiter eine russische Gruppe, ebenfalls nur Männer, vor einem Beate-Uhse-Geschäft. Die Männer stellten sich einzeln vor das Schaufenster und ließen sich dort von den Freunden fotografieren. Hier gab es natürlich keine Probleme mit dem Bildausschnitt und der Perspektive, hier paßte alles sofort. Auch die einfallsreicheren Gruppenmitglieder, die sich vor den Schaufensterpuppen, auf denen rote Dessous präsentiert wurden, auf die Knie warfen, die Schaufensterscheibe in Schritthöhe der Plastikdamen ableckten und andeuteten, Geldscheine durch die Scheibe reichen zu wollen – ganz einfach zu fotografieren. Die Russen wirkten rundum zufrieden und sehr erheitert.

Die Vorstellungen von einem gelungenen Kölnbesuch scheinen bei den internationalen Gästen doch sehr weit auseinanderzudriften.

%d Bloggern gefällt das: