Wir haben im Freundeskreis einige unverheiratete Paare, die seit Jahren zusammen sind, in einer gemeinsamen Wohnung leben und ganz offensichtlich auch zusammenbleiben wollen. Das ist selbstverständlich normal und in Ordnung, aber es ist auch naheliegend, daß Gespräche gelegentlich bei dem Punkt landen, ob man nicht doch vielleicht den offiziellen Schritt gehen könnte. Eine der Standardantworten von Frauen auf die Frage, warum sie auch nach etlichen Jahren nicht heiraten würden, scheint ganz erstaunlicherweise “Er fragt mich einfach nicht” zu sein. Worauf der Mann dann antworten kann, daß Fragen im Sinne eines Heiratsantrages ja wohl so was von retro und kitschig sei, daß es einfach nicht in Frage käme und überhaupt könnte die Frau ja auch selber fragen, heutzutage. Letzteres kann die potentielle Braut dann wieder pikiert ablehnen, denn bei aller Modernität im Rollenverständnis soll der jederzeit zuschaltbare Romantikmodus natürlich dennoch erhalten bleiben. Und wenn man genau zuhört, merkt man, daß es zwar spaßige Antworten sein sollen, das Thema Heiratsantrag aber auch heute noch gewaltig aufgeladen ist und ganz leicht in ernste Auseinandersetzungen über gegenseitige Erwartungen kippen kann.

Jetzt habe ich im Gespräch mit einer Freundin eine andere Variante dieser Antwort gehört, die geradezu vorbildlich die klassischen Rollenbilder und die erfolgreichen Emanzipationsbestrebungen der letzten Jahrzehnte logisch und selbstverständlich verbindet. Die Dame sagte, ganz ohne es als Scherz zu meinen:

“Wir können nicht heiraten. Ich habe ihn doch noch gar nicht gefragt, ob er mich nicht mal fragen möchte”.

Das, scheint mir, sollte den neuen Standard bilden.

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