Die Herzdame rief mich an und teilte mir mit, daß sie bei der morgendlichen Suche nach Halsschmerztabletten alle meine Anzüge, Mäntel, Jacken, Taschen und Aktenkoffer durchwühlt hätte. Nach diesem Satz machte sie eine kleine Pause.

Es ist ganz erstaunlich, wie intensiv und schnell man in einer nur kurzen Satzpause überlegen kann, ob wohl auf diese Art irgend etwas zu finden sein könnte, was in der einen oder anderen Weise als belastendes oder auch nur mißverständliches Material auszulegen wäre. Nur die Dauer eines halben Atemzuges, um die letzten Wochen und deren mögliche Relikte in meinen Taschen Revue passieren zu lassen, ein sehr interessantes Gedankenexperiment, bei dem man viel über sich lernen kann. Hätte ich mir etwas vorzuwerfen gehabt, hätte ich wahrscheinlich noch vor den nächsten Worten der Herzdame ein Geständnis abgelegt, daher ist diese Methode für Menschen, die ihrem Partner mißtrauen, unbedingt zu empfehlen. Einfach mal anrufen und bedeutungsschwanger sagen: „Ich habe da etwas gefunden…“. Ganz einfach. Der Partner ergibt sich sofort.

Die Herzdame fuhr dann zwar nur mit der empörten Feststellung fort, daß sie bei der Suche keinerlei nützliche Medikamente gefunden hätte, aber ob sie mir mittlerweile glaubt, daß mein vorher spontan geäußertes „Ich kann alles erklären“ selbstverständlich scherzhaft gemeint war – ich weiß nicht recht. Humor ist auch nicht immer hilfreich.

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