In der S-Bahn saß neben mir ein junger Geschäftsmann in einem etwas übermäßig gestylten Look. Er sah etwa so aus, als wäre er einem Prospekt für den modernen englischen Landadligen entsprungen. Nanu, dachte ich, seit wann fahren denn Makler mit der S-Bahn, die gehören doch in ihre Sportwagen. Ich bin ein sehr gehässiger Mensch, was diesen Berufsstand angeht, so gehässig, daß ich mir einbilde, Makler an ihrer Kleidung erkennen zu können. Wenn man längere Zeit mit Wohnungssuche verbracht hat, entwickelt man ungeahnte Fähigkeiten auf diesem Gebiet. Das Handy des Mannes klingelte, er meldete sich mit einem Firmennamen, der tatsächlich zu meiner heimlichen Freude und Bestätigung eindeutig auf die Immobilienbranche hinwies. Er pries dem Anrufer ein Objekt an, das er auch Objekt nannte: „Ja, das Objekt wäre sofort frei“. Er vereinbarte einen Besichtigungstermin und schlug dabei einen großen Terminkalender auf, den er auf den Knien hielt. Er trug mit akkurater Schrift einen Termin für einen Tag der nächsten Woche ein, notierte den Namen des Anrufers, unterstrich und unterkringelte dessen zweifachen akademischen Titel und malte ein Ausrufezeichen. Daneben schrieb er: „Besichtigung“, dann die Adresse des Objektes und dann: „Lügen – Labern – Larifari“.

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