Wenn mich jemand um eine Verabredung bittet und mir einen Termin dafür vorschlägt, sage ich wahrheitsgemäß meistens, daß ich erst die Herzdame fragen muß. Nicht etwa, weil es um ihre Erlaubnis gehen würde, sondern weil sie immer alle Termine weiß, also auch die, die einem anderen Termin eventuell im Weg stehen. Mein geistiger Terminhorizont reicht bis zum heutigen Abend, ihrer reicht etwa ein Halbjahr voraus. Ich lasse mich also regelmäßig morgens durch ihre Ansage der Tagesplanung überraschen, sie sich durch meine Ignoranz. Diese Aufteilung scheint unter Paaren weit verbreitet zu sein, zumindest in meinem Freundeskreis, vielleicht ist sie aber auch naturgegeben. Sich gegen die Natur zu wehren ist oft sinnlos, daher habe ich diese Aufteilung klaglos akzeptiert und kümmere mich nicht mehr um meine Verabredungen in der Zukunft. Sie werden mir schon rechtzeitig wieder angesagt werden.

Vielleicht sollte ich aber doch mehr Interesse an diesen Planungen zeigen, ich bin seit gestern etwas mißtrauisch geworden. Als ich einen Blick in den offen daliegenden Terminkalender der Herzdame warf, weil ich wissen wollte, was wir eigentlich Weihnachten machen, stand da, daß wir am 22.12. nach Friedewalde, also in der Heimatdorf der Herzdame in Nordostwestfalen fahren werden. Bis dahin wenig überraschend. Warum aber steht da am 23.12.: „Abends Hundewichteln“ und dahinter mein Name?

Wir haben keinen Hund. Ich weiß auch gar nicht, was das ist, Hundewichteln. Kann man dabei am Ende Männer gegen Hunde eintauschen? Ist es ein spezifisch westfälischer Brauch? Ist die Verwaltung all meiner Termine der Herzdame zu Kopf gestiegen und meldet sie mich aus boshaftem Humor jetzt bei den seltsamsten Veranstaltungen an? Auf Nachfrage sagte sie, sie würde mich über das Hundewichteln erst am 23.12. aufklären, denn eine vorherige Erklärung würde ich mir bekanntlich ohnehin nicht merken. Dem ist schwer zu widersprechen. Sie lächelte und sagte etwas, das wie ein gesäuseltes „Vertrau mir“ klang.

Ich bin beunruhigt.

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