Das sicherlich allseits bekannte Peter-Prinzip besagt, daß jeder in seinem Job bis zur Stufe seiner Unfähigkeit befördert wird und dann dort verbleibt – und es gilt nicht nur im Beruf, es gilt auch im Tanzsport, wie ich festgestellt habe.

Die Herzdame und ich waren fast zehn Wochen lang nicht mehr beim Tanzen. Als wir letzte Woche zum ersten Mal nach dieser langen Zeit wieder dort waren, war daher von einem katastrophalen Abend auszugehen, denn ich verlerne Tanzschritte geradezu beängstigend schnell. Die Herzdame dagegen merkt sich immer alles und verlernt auch nichts, eine tendenziell konfliktträchtige Situation, denn ich schätze es nicht, wenn meine Partnerin beim Tanzen mehr kann als ich, was aber anscheinend fast unweigerlich der Fall ist. Gewisse unterbelichtete Teile meines Ichs denken an solchen Abenden, daß zum Beispiel Kugelstoßen doch auch ein schöner Sport wäre, denn es besteht nur aus einem einzigen Bewegungsablauf, ist solo zu betreiben und man hat auch noch frische Luft dabei. So etwas lasse ich mir aber als vorbildlicher Gatte natürlich nicht anmerken, nein, ich übe vielmehr klammheimlich und in der festen Absicht, die Herzdame gnadenlos und hinterrücks positiv zu überraschen, Tanzschritte im Badezimmer und tue abends so, als wäre mir jeder im letzten Jahr gelernte Schritt ganz ohne Training unauslöschlich in Fleisch und Blut übergegangen. Es war eine allzu schöne Vorstellung, einmal einen Abend lang besser zu sein als sie.

Das Ergebnis war, daß die Tanzlehrer uns an diesem Abend für so gut befanden, daß uns beschieden wurde, doch bitte in einen höheren Kurs zu wechseln, wir wären ja offensichtlich unterfordert. Mein Hinweis, daß das der künftig drohenden Überforderung doch entschieden vorzuziehen wäre, interessierte weder die Herzdame noch die Trainer, und so werde ich mich wohl noch in dieser Woche mit der Stufe der Unfähigkeit in der Freizeit anfreunden.

Mir graut.

%d Bloggern gefällt das: