Zu den mehr oder weniger amüsanten Beschwerden, die Frauen insbesondere in den ersten Monaten der Schwangerschaft haben, gehört auch eine wirklich erstaunliche Müdigkeit. Die Herzdame könnte, wenn es denn nur möglich wäre, wahrscheinlich tagelang durchschlafen. Leider ist das aber wegen beruflicher und anderer Pflichten nicht recht möglich, weswegen sie sich fühlt, als hätte sie jetzt schon seit Wochen nicht mehr geschlafen.

Wenn ich mit ihr ein Gespräch führen möchte, muß ich das neuerdings im Stehen tun, denn im Sitzen dämmert sie sofort weg. Wortwechsel im Bett sind vollkommen ausgeschlossen, ihr Verhalten erinnert da deutlich an das von Schlafpuppen: Hinlegen, Augen zu.

Gestern abend hat sie noch versucht, mich in ein paar Abgründe der Bildbearbeitung einzuführen, sie saß dabei neben mir und meinem Notebook und murmelte Anweisungen über meine Schulter. Als es eine Weile überraschend still neben mir war, obwohl ich gerade ein Bild nicht eben plangemäß verunstaltet hatte, sah ich mich nach ihr um: Sie saß tief und fest schlafend, aber in überraschend aufrechter Haltung auf dem Stuhl, den Kopf zur Seite gelegt wie ein müder Wellensittich. Ihre rechte Hand hing noch etwas seltsam auf halber Höhe in der Luft, mit deutlich erhobenem Zeigefinger in meine Richtung zeigend – und die Hand sank dann im Zeitlupentempo ganz, ganz langsam, in minutenfüllender Bewegung sachte hinunter.

Es stimmt schon, was in den Büchern steht: Der Körper der Frau vollbringt ganz erstaunliche Leistungen während der Schwangerschaft.

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