Der Himmel dehnt sich sehnsuchtsblau über der Alster, die Krokusse blühen üppig und tragen dieses Jahr verbreitet Lila. Waren die immer schon so zahlreich in Lila? Waren sie früher nicht eher mehrheitlich gelb? Wer weiß schon noch, wie der Frühling im letzten Jahr war. Jogger tragen schon wieder seltsam anmutende, bunte und kurze Leibchen, die schlimm mit der blassen Winterhaut an ihren Oberarmen kontrastieren, aber Jogger bieten ja zu keiner Jahreszeit einen schönen Anblick. Es röchelt und keucht schweißtriefend an einem vorbei, Schreckensbilder der Atemnot, man möchte ihnen separate Wege wünschen.

Die Eisbude an der Alster hat noch zu und alle, alle, die dort vorbeigehen, sagen: „Der würde aber doch schon Geschäft machen, jetzt.“

Beim Bootsverleih liegen zwei einsame Tretboote und es will mir nicht mehr einfallen, ob die den ganzen Winter da als Reste gelegen haben oder nicht, Sind es schon die Vorboten der zu erwartenden Flotte? Wieso dann nur zwei? Sie sehen grau und gammelig aus. Schon bei dem Gedanken an das Tretbootfahren bekommt man einen kalten Po und klamme Hände.

Zwei Sorten Mensch gehen an der Aster entlang. Pessimisten, die noch winterlich zu fühlen bereit sind, sie tragen schwere Mäntel, Schal und Mütze, sie ziehen im frischen Wind am Ufer den Kopf tief zwischen die Schultern und murmeln zufrieden: „Doch noch kalt.“ Die Optimisten daneben tragen offene Jacken und Sonnenbrillen, sie halten ihre Gesichter an den windstillen Stellen in die Sonne, grinsen vor sich hin und zeigen auf Knospen an Büschen.

Ein Mann, der nach einer heftigen Überdosis Solarienbräune aussieht, kommt uns entgegen, er spricht mit einem ähnlich verschmorten Freund und sagt zu ihm, als er gerade an uns vorbeigeht: „Ich habe ein Raster im Kopf, da sortiere ich alle meine Beziehungen ein.“ „Ach“, sagt der Freund und guckt unbeeindruckt.

Erste Google-Suchanfrage, über die diese Seiten hier heute gefunden wurden: „Was hat das blaue Band mit dem Frühling zu tun?“

Die Antwort ist irgendwo da draußen.

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