Ein Konferenzraum im Krankenhaus, “Infoabend” steht auf einem Zettel an der Tür. Es ist überraschend voll. Ich zähle nach, es sind rund achtzig Menschen da, die Stühle reichen nicht einmal annähernd aus. Etliche der Frauen hier haben schon einen deutlich sichtbaren Bauch, einige sind aber auch offensichtlich noch in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft. Der Arzt, der gleich einen Vortrag über die Geburtenabteilung halten soll, weist einen Mann darauf hin, daß er es gut und angebracht finden würde, wenn er seine Frau sitzen lassen würde. Der Mann steht schuldbewußt wieder auf und läßt doch lieber seine hochschwangere Frau sitzen.

Der Arzt und eine Hebamme klicken sich durch eine Präsentation und erzählen von ihrer Arbeit und den Möglichkeiten im Haus. Die Hebamme ist so enthusiasmiert von ihrem Beruf, daß sie förmlich von innen her leuchtet, während sie spricht. Beneidenswert.

Nach dem Vortrag wird die neugierige Gästeschar zur Besichtigung der Kreißsäle eingeladen. Die ganze Horde entert das Treppenhaus und die Fahrstühle und sammelt sich dann vor den Kreißsälen. Werdende Mütter, die gerade halbnackt kurz vor der Geburt auf dem Flur auf- und abgehen, bringen sich irritiert in Sicherheit. Achtzig Menschen sehen ihnen interessiert nach. Die Kreißsäle sehen gar nicht nach Klinik aus, eher wie eine Mischung aus Kinderzimmer und Wellness-Oase, eingerichtet mit dem Charme einer Ikea-Ausstellung aus dem Katalog. Wohnst du noch oder gebierst du schon? Man drängt hinein und sieht sich um, zieht an dem Seil, das da von der Decke baumelt, hüpft auf dem Gymnastikball auf und ab, setzt sich auf den Rand der Badewanne und bestaunt die verblüffend vielfältige Mechanik des Gebärbettes (wenn das denn so heißt). Und das da, das Kleine? Ein Gebärhocker. Ach so.

Ein Mann hebt den Arm, er hat eine Frage, Ein riesengroßer Kerl im Straßenkampf-Look, breitschultrig, Kapuzenpulli, Military-Hose. Die Hebamme sieht in fragend an. “Versorgen sie auch Männer?” fragt er. “Wie bitte?” fragt die Hebamme, die nicht wissen kann, ob das ein Scherz ist oder nicht. “Wenn ich hier umfalle, versorgen sie mich dann auch? Sammelt mich jemand auf? Kümmern sie sich auch um die Männer?”

“Ja”, sagt die Hebamme milde lächelnd, “wenn sie umfallen sollten, werden wir sie schon irgendwie wieder aufsammeln.” “Dann ist ja gut”, sagt der große Kerl, aber er klingt nicht überzeugt.

Die Hebamme zeigt auf eine Musikanlage: “Sie können sich gerne eigene Musik mitbringen, das empfinden viele Frauen als hilfreich. Überlegen sie rechtzeitig, was sie mitnehmen wollen.” Die Herzdame sieht mich streng an und weist sicherheitshalber schon mal darauf hin, daß die Musik für sie hilfreich sein solle, nicht für mich. Kein Sinatra während der Geburt also, eher Nirvana: “Come as you are”. Paßt schon.

Ein junger Mann kniet vor der Musikanlage, sieht sich suchend um und fragt dann: “Hat man von hier aus vielleicht auch Internetzugang?” Die Hebamme verneint lachend und guckt etwas irritiert, als jetzt zwei Männer wie aus einem Munde “schade” sagen.

Der Ellbogen der Herzdame war einfach nicht schnell genug.

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