Die letzte Verabredung mit meiner Freundin Birgit wurde empfindlich dadurch gestört, daß die Dame nach dem Essen Schluckauf bekam. Nicht nur ein wenig und dezent, sondern deutlich ausgeprägt und auch überraschend lang anhaltend. Ich fand es eigentlich eher erheiternd als störend, aber Birgit wirkte nach einiger Zeit zusehends unzufrieden mit ihrem Zustand. Nicht ganz unverständlich, denn wir waren gerade bei ernsteren Themen und da wirken durch „Hicks“ gestörte Beiträge unangemessen komisch, außerdem sahen sich auch die anderen Gäste der Kneipe zusehends oft und immer amüsierter nach uns um. Der Wirt sah wiederholt Birgit an und warf mir dann fragende Blicke zu, wahrscheinlich wollte er wissen, ob ich meine vermeintlich angeschickerte Begleitung rechtzeitig entsorgen würde. Ich nickte ihm beruhigend zu.

Birgit hielt die Luft an, schaffte es aber nicht ganz, meinem gutgemeinten Vorschlag zu folgen, dabei bis Dreitausend zu zählen. Nach einer Weile saß sie japsend, hicksend und verblüffend rot im Gesicht neben mir, was keine deutliche Verbesserung der Situation war. Ich erinnerte mich undeutlich, daß ein Glas Wasser, über Kopf getrunken, bei Schluckauf hilfreich sein soll und bot meine Assistenz bei der Übung an, aber die Methode war ihr in der Öffentlichkeit doch ein wenig zu auffällig.

Schließlich verschwand sie auf der Toilette und kam nach einer ziemlich langen Weile vergnügt und geheilt zurück. Auf meine Frage, welche Methode nun geholfen hatte, erfuhr ich: „Ich habe mir ganz fest vorgestellt, ich wäre die Leiche aus dem letzten Sonntagstatort. Leichen bewegen sich nicht, da rührt sich auch kein Zwerchfell. Logisch. Und dann war es weg“.

Immerhin erfreulich, daß sie nach dieser beeindruckenden Leistung der Vorstellungskraft überhaupt weiter geatmet hat, wenn man es recht bedenkt.

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