Ich habe mich gründlich geirrt und vieles falsch gemacht. Ich hab eine sehr lange Zeit gedacht, man müßte zum Zwecke der Wohnungssuche Anzeigen in Zeitungen studieren, Onlineimmobiliensuchdienste abonnieren, Zettel an Laternen lesen und stehlen und dauernd unfreundliche Makler oder desinteressierte Verwaltungen anrufen, Hausmeister charmieren und jeden Menschen, den man kennt, gelegentlich beiläufig fragen, ob er nicht vielleicht bald mal umziehen wolle. Ich habe mit anderen Worten versucht, ein eher anstrengendes Programm zu absolvieren, um irgendwann dabei auf eine Wunderwohnung zu stoßen, für die sich nicht über hundert andere Menschen gleichzeitig interessieren. Dabei geht es doch ganz anders und viel einfacher.

Nämlich so: Man setze sich mit einer sehr, sehr guten Freundin, die auch gerade umziehen möchte, auf einen lauschigen Spielplatz in idealer Lage im Lieblingsstadtteil. Dann sehe man sich um, zeige auf ein nett gelegenes Haus und spreche: Da, das wäre doch nett. Da müßten jetzt bitte gerade zwei Wohnungen frei sein, eine für uns, eine für Euch. Dann sehe man genauer hin und stelle fest, daß mindestens eine der Wohnungen in dem Haus irgendwie leerstehend aussieht.

Klingt doch ganz einfach – und war es auch. Die sehr, sehr gute und gelegentlich wunderwirkende Freundin hat herausgefunden, welche Gesellschaft das Haus verwaltet, dort angerufen und erfahren, daß zwei Wohnungen gerade frei werden. Und die haben wir einfach gemietet. Man muß den Göttern manchmal nur eine gute Gelegenheit geben und klar sagen, was man sich wünscht, dann bekommt man vielleicht ausreichend Gelegenheit zur Dankbarkeit.

Die sehr, sehr gute Freundin wird hier künftig als schöne Nachbarin vorkommen und die Herzdame und ich werden, nachdem wir jahrelang im fünften Stock ohne Fahrstuhl gewohnt haben, beim Einzug in das neue Haus vermutlich vor Begeisterung den Boden des Fahrstuhls küssen. Auch Hanseaten wie ich sind zu solch extremer Ausgelassenheit fähig. Manchmal.

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