Kleine Pause

Keep on moving

Die Herzdame und ich haben endlich die Schlüssel zu der neuen Wohnung bekommen. Die etwas überraschende Anzahl von immerhin siebzehn übergebenen Schlüsseln ist vermutlich mein bisheriger Rekord, vom letzten Vermieter bekam ich nur drei. Staunend besahen wir den riesigen Schlüsselbund und rasselten vergnügt mit der Pracht. Um überhaupt in unsere Wohnung zu kommen, müssen wir jetzt tatsächlich viermal nacheinander Türen mit verschiedenen Schlüsseln aufschließen, wozu ein Freund gleich warnend bemerkte, daß man das im betrunkenen Zustand sicher nicht schaffen würde. Er könnte Recht haben, zumal die Schlüssel alle ziemlich gleich aussehen. So sorgt auch ein schlichter Wohnungswechsel schon für ein Leben in Mäßigkeit, wer braucht da noch moralische Belehrungen.

Wir ziehen jetzt also mal eben um, und dieses “mal eben” meint, daß wir Stück für Stück von jetzt bis Anfang Juni den Haushalt verlagern.

Nach der wie immer überaus fragwürdigen Theorie der Telekommunikationstechniker sind wir am 4. Juni von der neuen Bleibe aus online – bis dahin werden die Abende wohl leider eher aus Räumerei, Herumtragen und Montagearbeiten als aus Blogeinträgen bestehen.

Im Juni gibt es dann den Abschlußbericht der Mission “Die Herzdame bekommt ein neues Nest” – und auf vielfachen Wunsch wird es auch eine neue Geschichte aus Travemünde geben.

Deutsch für moderne Menschen

Hausmeister

Eine der interessanteren Google-Anfragen der letzten Tage, über die diese Seiten hier gefunden wurden, lautete wörtlich: “Sind Hausmeister auch Menschen?”

Je nach Mietwohnungserfahrung im Laufe des Lebens kann man sich die Geschichten ausmalen, die zu solchen Fragen führen. Wahrscheinlich und hoffentlich hat der oder die Suchende sogar eine Antwort gefunden, nämlich in dieser Geschichte von mir: Selbstverständlich sind Hausmeister auch Menschen. Aber, und es ist ein großes ABER, das hier einzuwerfen ist: Es gibt gar keine Hausmeister mehr. Sie heißen heute, wie man spätestens merkt, wenn man umzieht und spaßigen Briefwechsel mit Verwaltungsgesellschaften hat, nicht mehr Hausmeister, nein, sie heißen jetzt korrekt “Objekttechniker”. Das Wort Hausmeister darf auf keinen Fall mehr benutzt werden, es wirkt anscheinend herabsetzend, entwürdigend und geradezu beleidigend.

Der Hausmeister als solcher ist sozusagen der begriffliche Negerkuß der Immobilienbranche. Ein Pfui-Wort. Nur daß er leider nicht so lustig modern heißen darf wie die Süßigkeit, etwa Schokoschmatz oder Dickmann, was analog vielleicht etwas wie Graukittelchen oder Schraubmann wäre, sondern nur sachlich nüchtern: Objekttechniker.

Vorauseilend könnte man jetzt zum Beispiel auch Bademeister in Naßtechniker und japanische Zenmeister in Erleuchtungstechniker umbenennen, wenn man schon dabei ist. Und “Die Meistersinger” könnte man sicher auch unter “Die Gesangstechniker” aufführen.

Man muß mit der Zeit gehen, auch sprachlich.

Und gleich noch eine Lesung

Aber diesmal lese ich nicht selbst, diesmal liest Blue Sky einen Text von mir vor und macht faszinierenderweise noch Musik dazu. Die Geschichte “Der König ist tot“, die ich auch gerade in Wilhelmsburg gelesen habe, findet man jetzt frisch und sehr hörenswert vertont auf Blogread.

Danke für die Aufnahme!

Kurzer Nachtrag zu der Lesung

Hatten wir im Vorwege eigentlich erwähnt, wie es Mek und mir erging, als wir den kleinen Club “Südbalkon” zum ersten Mal besichtigt haben? Da waren wir beide vorher noch nicht in Wilhelmsburg gewesen und kannten nur die üblichen Vorurteile gegenüber der Gegend. Wir fuhren eines Abends vor zwei Wochen gespannt mit der S-Bahn in Richtung Süden, um einmal selbst zu sehen, wie es dort zugeht, in diesem angeblich so wilden Stadtteil. Vor der Station allerdings hielt der Zug unerwartet – und hielt und hielt. Nichts rührte sich. Schließlich eine Durchsage, die ich wörtlich erinnere: “Die Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit wegen einer Massenschlägerei im Bahnhof Wilhelmsburg”.

Mek und ich haben spontan beschlossen, uns zur Not hinter der schwangeren Herzdame zu verstecken, denn wer würde schon eine Schwangere schlagen – und natürlich erst recht dort zu lesen, in dieser äußerst spannenden Region Hamburgs, der allgemein so eine großartige Zukunft vorausgesagt wird.

Abgesehen von kleineren Vorkommnissen ist es dort aber tatsächlich viel charmanter, als man denkt und der Abend hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Danke an den Südbalkon für die Einladung und an die Gäste, die den Weg über die Elbe auf sich genommen haben und ein so sehr freundliches Publikum waren!

Schilderungen des Abends findet man hier, hier und hier, Bilder von der Lesung hier.

Zur Erinnerung

Mek Wito & Merlix

Es sei noch einmal an diese Veranstaltung erinnert: Mek Wito und ich lesen diese Woche, 18.05.07, am Freitagabend, im Südbalkon in Wilhelmsburg.

Die Adresse und der Weg dorthin: Veringstraße 156, von der S-Bahn Wilhelmsburg mit dem 13er Bus in Richtung Veddel, Haltestelle Veringstraße Mitte, der Bus hält fast vor der Tür des Südbalkons. Einlaß ab 21 Uhr, beginn 21 Uhr 30. Eintritt frei!