Rundung und Schiebung

In der Schwangerschaft vergrößert sich der Busen, das ist ganz normal. Neben dem anschwellenden Bauch ist dies ein auffallendes körperliches Merkmal, tatsächlich kann man es kaum übersehen. Männer neigen daher seit einiger Zeit dazu, der Herzdame weniger ins Gesicht zu sehen, der Blick bleibt vielmehr gebannt weiter unten hängen. Einige kommentieren die Veränderung auch, wobei es ein wunderbar vielfältiges Spektrum in der Wortwahl gibt. Es reicht von einem anerkennenden und offenen „Meine Güte, die Dinger werden ja immer noch dicker!“ über ein nur mir in einem günstigen Moment heimlich und leise zugemurmeltes „Prachteumel“ bis zu einem etwas seltsam voreilig wirkenden, von abwehrend erhobenen Händen begleiteten „ich guck nicht hin, ich guck nicht hin!“

Der Bauch der Herzdame nimmt währenddessen natürlich auch weiter zu. Seit klar ist, daß wir demnächst in eine Wohnung mit Fahrstuhl ziehen, kommen ihr die Treppen, die hinauf zu unserer alten Wohnung führen, geradezu unüberwindlich vor, weswegen sie sich neuerdings abends nach der Arbeit von mir zum fünften Stock hochschieben läßt. Zur Begründung für diese Anforderung an mich fiel ihr sogar praktisches Restwissen aus ihrem vor Jahren abgebrochenen Indologiestudium ein, auf Sanskrit heißt Ehefrau nämlich sehr tiefsinnig „die Tragende, die getragen wird“.

Ich zähle die Tage, bis wir hier ausziehen können.