Obwohl man natürlich viel davon liest, wie schlimm die Zeit mit Kleinkindern sein kann, wie übel der Schlafmangel sein wird, wie anstrengend der schreiende Säugling, wie entnervt das Elternpaar und wie angespannt das ganze Umfeld, scheinen die meisten Paare, die wir kennen, eher sehr gute Erfahrungen zu machen. Seltsamerweise sind wir umgeben von friedlichen Durchschlafkindern, die so nebenbei schnell zahnen und hier und da mal etwas Bauchweh haben, aber sonst scheint das alles bemerkenswert problemfrei zu laufen.

Ich habe sicherheitshalber meine Mutter gefragt, wie ich selbst als Kleinkind war, um mich rechtzeitig als Vorbild für den eigenen Sohn in Szene setzen zu können und, wenn wir denn auch ein friedliches Kind bekommen sollten, der Herzdame gegenüber gleich auf die gelungene Vererbung meiner Gene hinweisen zu können. Meine Mutter dachte einen Augenblick nach und erklärte dann, ich wäre in den ersten drei Lebensjahren durchgehend im Hungerstreik gewesen, hätte entgegen aller biologischen Wahrscheinlichkeit gar keinen Schlaf gebraucht und durchgehend geschrieen, abgesehen von den wenigen ruhigen Stunden voller familiären Friedens, in denen ich damit beschäftigt war, Versandhauskataloge in kleine Schnipsel zu zerreißen, eine Tätigkeit, die eine anscheinend wundersam beruhigende Wirkung auf mich hatte.

Ich habe dann gar nicht weiter nachgefragt, denn es schlägt ja doch ohnehin eher die Großvatergeneration durch, sagt man. Aber vielleicht ist es eine gute Vorsichtsmaßnahme, schon mal ein paar Versandhauskataloge zu bestellen. Nur für den Fall.

%d Bloggern gefällt das: