Ich bin weder ein großer Freund des Reisens, noch bin ich ein ausgeprägter Naturfreund. Ich lebe bewußt und mit Absicht in der Mitte einer Millionenstadt und ich bin immer ein wenig überfordert, wenn es mich in eine ländliche Idylle verschlägt, in der man alles, alles was einen umgibt und was nur irgend mit Sinnen wahrzunehmen ist, schön zu finden hat, weil man sich sonst wie ein besonders ignoranter Stadtmensch fühlen muß. Wer wäre ich denn, ein Ignorant zu sein!

Schön ist hier der Ruf der Lerche am frühen Morgen, schön das taunasse Gras unter den Füßen, besonders schön der üppige, dunkelrote Mohn am Wegesrand, am Ackerrand, wo es in den nachtkühlen Schattenspalten zwischen den gründgoldenen, endlosen Reihen der Roggenhalme so überaus schön duftet. Schön das einsame weiße Segel am Horizont, schön der in kräftigem Lila blühende Klee, schön sogar die sanft schaukelnde Qualle im flachen Wasser der Ostsee. Schön auch der Duft der Herzdame, wenn sie am Meer steht und die Sonne auf ihren besonnencremten Hals scheint. Schön, wie ihre Sommersprossen sprießen, schön, wie unsere Freundin J. auf den Holzbrettern der Terrasse auf dem Rücken liegt und in den Himmel sieht, schön die Linie ihrer Beine, schön, wie warm das Holz ist und wie es sich anfaßt, erst recht schön, wie sich die Beine von J. anfassen und schön, daß wir ein Schwalbennest vor dem Schlafzimmerfenster haben, wo schöne Schwalben schön tote Mücken an die gierende Brut verfüttern. Schön, schön, schön.

Und nun ist aber auch gut. Wie schön, daß ich Bücher mithabe.

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