So ein Urlaub ist eine gute Chance, endlos dicke Bücher wie etwa die „Forsyte-Saga“ von Galsworthy endlich durchzulesen. Nachdem das Buch nun schon ganze Monate auf meinem Nachttisch gelegen hat und das Lesezeichen abends nur wenige Millimeter weiterwanderte, kann ich es endlich kapitelweise angehen und ganze Generationen dieser Familiengeschichte an einem Nachmittag kennenlernen.

Mir fiel beim Lesen wieder auf, daß gerade englische Romane immer wieder Begriffe aus dem Gartenbau aufweisen, mit denen ich nichts, aber auch gar nichts anfangen kann und die ich dennoch nie nachschlage sondern seit Jahrzehnten einfach so hinnehme. In älteren englischen Romanen blüht zum Beispiel immer, darauf kann man wirklich wetten, irgendwann aus einem Garten heraus ein schwer und süßlich duftender Heliotrop, meist dann, wenn es zu prekär drohenden Liebessituationen paßt. Keine Ahnung, was das ist, Heliotrop, ich kann es mangels Internet auch gerade nicht googeln. Das Wort klingt nach tropischem Riesengewächs mit obszöner Blütenpracht in lasziven Formen. Am Ende ist es aber vielleicht nur ein kleines buchsbaumähnliches Gewächs, das unscheinbar in mattem Lila verblüht und dabei einfach nur eher aufdringlich riecht? Unsere gartenkundige Urlaubsbegleitung J. versucht mir wortreich etwas zu beschreiben und ich denke: Nie gesehen.

Es ist eigentlich auch egal. Mittlerweile habe ich so oft davon gelesen, daß ich ganz kenntnisfrei das sichere Gefühl habe, auch ich könnte in einer Geschichte einmal den schweren, süßlichen Duft des Heliotrops vollkommen sinnvoll und angemessen unterbringen – und das ist es doch, was Bildung ausmacht, irgendwie.

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