In Travemünde war es ganz normal, zum Kaffeetrinken eine Butterfahrt auf der Ostsee zu machen. Die Menschen aus dem Binnenland gingen am Nachmittag vielleicht in einen schattigen Park, in ein Gartencafé oder an einen idyllischen See, in Travemünde fuhr man eben Schiff. Das schien mir als Kind ganz gewöhnlich und gar nicht spektakulär, obwohl ich doch jeden Tag erlebte, wie hingerissen die Touristen waren, die solche Fahrten zum ersten Mal mitmachten. Denn auch wenn so ein kleines Butterschiff nicht gerade sehr imposant aussah, es fuhr doch ziemlich weit hinaus – und wenn man aus Recklinghausen oder Gütersloh kam, dann war es wohl schon die christliche Seefahrt, dieses abgezirkelte Herumschaukeln vor der Küstenlinie. Die Touristen jubelten aufgeregt, wenn der Inhalt ihrer Kaffeetassen etwas Schräglage bekam, weil wir gerade die Bugwellen eines großen Fährschiffes kreuzten. Sie freuten sich, wenn sie an der Reling standen und etwas Gischt nach oben flog, so daß sie ein paar Tropfen abbekamen, sie hielten ihre Hände nach unten, griffen begeistert nach den Wellen, bis die Finger und Ärmel naß wurden und rochen dann an den Spritzern auf der Haut: „Salzig, es riecht wirklich salzig!“. Sie warfen den Möwen, die über dem Schiff kreisten, Brot zu und winkten den Menschen an Land, wenn das Schiff ablegte. Die Touristen sagten auf den Treppen, die zu dem Restaurant unter Deck führten, laut und besserwisserisch „immer eine Hand fürs Schiff“, weil sie das irgendwo gelesen hatten, und dabei klammerten sie sich krampfhaft mit beiden Händen an das abgegriffene Messinggeländer. Touristen waren oft etwas seltsam. Die kleinen Butterschiffe waren etwa anderthalb Stunden unterwegs, gerade genug Zeit, um etwas zu reden, ein oder zwei Stücke Torte zu essen, etwas auf das Meer zu sehen, ein paar Tassen Kaffee zu trinken und eine Stange Zigaretten zu kaufen. Wenn wir Hilde dabei hatten, reichte die Zeit natürlich auch für ein ordentliches Besäufnis.

Der Himmel über der Ostsee war dunkelgrau und unruhig, eine aufgelöste und zerrissene Armee kleiner Wolken zog in ungestümer Eile nach Westen über das Meer. Gelegentlich brach die Sonne für eine Minute durch und die Menschen, die am Kai standen und auf die Paloma warteten, sahen hoffnungsvoll zum Himmel, diskutierten Windrichtung, Wolkenzahl und Wolkendichte und schüttelten dann doch die Köpfe. Eltern fragten sich, ob den Kleinen, die aufgeregt an ihren Händen zerrten, weil sie gleich richtig Schiff fahren sollten, nicht vielleicht schlecht werden würde, die See sah draußen so unruhig aus, all die weißen Schaumkronen auf den Wellen. Menschen ohne jede Erfahrung mit dem Meer unter sich überlegten, ob nicht auch morgen oder übermorgen ein guter Tag für die erste Butterfahrt sein würde. Ein windkalter Schauer stürzte aus einer der jagenden Wolken und ein paar der Wartenden flüchteten jetzt doch endgültig, sie gingen eilig und gegen den Wind gebeugt die Vorderreihe hinab und verschwanden schnell in Kaufhäusern oder Hotels. Die restlichen Wartenden duckten sich unter ihre Schirme, zogen die Schultern in ihren bunten Plastikregenjacken nach oben und starrten beschwörend auf die kurze Gangway, die zur Paloma führte. Sie war noch mit einem quergespannten Seil versperrt, es war die erste Fahrt am Tag und an Bord wurde noch gereinigt, man hörte schwach von innen das Geräusch eines Staubsaugers. Der junge Mann, der oben im Regen stand und auf den Einstieg aufpaßte, sah stoisch über die Wartenden hinweg, warf gelegentlich einen Blick auf seine Uhr und ging ein wenig auf dem Vorderdeck auf und ab. Pünktlich um drei Uhr löste er das Seil und klappte ein an der Bordwand hängendes Schild aus: „Nächste Abfahrt 15 Uhr 15, pro Person 50 Pfennig“. Der Preis von fünfzig Pfennigen war natürlich nur ein symbolischer, Geld wurde hier reichlich mit dem Verkauf von Spirituosen, Zigaretten und anderen Waren verdient. Mit unbeteiligtem Gesicht hielt der jungen Mann den Passagieren, die sich jetzt über die Gangway drängten und es eilig hatten, weil der Regen schon wieder einsetzte, die Hand hin, ließ die Geldstücke jeweils grußlos in seiner Hosentasche verschwinden und murmelte nur bei offensichtlich sehr alten oder gehbehinderten Menschen ein kaum hörbares und sehr routiniertes „Vorsicht bitte“, wenn sie über die nassen Stufen das Schiff betraten und Gefahr liefen, mit ihren Krücken auf dem regenglänzenden Stahlboden wegzurutschen.

Ein Zöllner, der sich einen Packen gelber Informationszettel unter den Arm geklemmt hatte, kam fluchend und im Laufschritt zu der Anlegestelle, er hatte sich verspätet und konnte gerade eben noch den letzten drei Passagieren die Blätter mit den Hinweisen auf die zulässigen Höchstmengen bei zollfreien Einkäufen in die Hand drücken. Den Rest gab er dem Mann, der das Geld eingenommen hatte, sagte knurrend „Komm, verteil den Schiet mal eben unter Deck“ und ging schleunigst zurück in die Zollstation. Seine Uniform hatte sich an den Schultern von dem Regen dunkel verfärbt und er schüttelte sich wie ein Hund, bevor er die Tür aufmachte und im Gebäude verschwand.

Die Paloma tänzelte auf dem unruhigen Wasser der Travemündung. Unter Deck machte man jetzt Licht an, denn die Wolken hatten sich weiter zusammengezogen, fast schwarz und sehr tief hingen sie über dem Fluß und dem offenen Meer. Die Boote im nahegelegenen Yachthafen lagen mit eingerollten Segeln, die Masten wippten hektisch und mit dem Wind kam das helle, in verwirrten Rhythmen klappernde Geräusch der Leinen, die in den Böen an die Staken und Wanten schlugen. Eines der großen, weißen Fährschiffe auf dem Weg nach Schweden, Dänemark oder Finnland fuhr an der noch vertäuten Paloma vorüber und die wenigen Kinder, die zur Butterfahrt mitgenommen wurden waren, hingen an den Fenstern und sahen begeistert zu dem Schiffsgebirge auf, das da in majestätischer Höhe vorbeizog. Die Fenster der Paloma waren übrigens, wie die Kinder mit berechtigter Kritik feststellten, eckig, ganz wie gewöhnliche Fenster überall, und nicht rund, wie es doch ein Bullauge zu sein hatte – ein wenig was wußte man ja doch auch als Binnenlandkind über Schiffe.

Die Erwachsenen verteilten sich unter Deck an die festgeschraubten Tische. Touristen setzten sich mit Blick auf Travemünde, Einheimische auf die andere Seite, die Verteilung ergab sich ganz zwanglos. Handtaschen, Zigaretten, Fotoapparate und Ferngläser wurden auf den angestoßenen Resopaloberflächen der Tische ausgebreitet, Kinder rutschten unruhig auf dem abgeschabten, bräunlichen Kunstleder der Bänke hin und her. Aus der Küche ein Deck tiefer hörte man das angenehme und tröstliche Geräusch von blubbernden Kaffeemaschinen, es roch warm nach Kuchen. Die Paloma legte ab und wendete im Kielwasser der großen Ostseefähre. Die damit verbundene wilde Schaukelei begeisterte die Kinder sehr, sie ließen sich spielerisch und jubelnd von den Bänken fallen und kullerten auf dem Fußboden herum, während nicht wenige der Erwachsenen diese Butterfahrt plötzlich für keine ganz so tolle Idee mehr hielten. Es waren vier oder fünf Familien, die sich zu kennen schienen, sie sprachen über die Tische hinweg miteinander, man konnte den Akzent leicht dem Ruhrgebiet zuordnen. Sie waren mit ihren kurzen Hosen, den Plastikregenjacken und den umgehängten Ferngläsern und Fotoapparaten sofort als Touristen zu erkennen – und wären es nicht diese Merkmale gewesen, hätte man es doch daran gemerkt, daß sie sich vor den Fenstern angestrengt die Hälse verrenkten, um jedes Detail von Travemünde aus dieser neuen Perspektive sehen zu können. Die Einheimischen auf der anderen Seite des Ganges sahen nur nebenher aus dem Fenster, auf das eher langweilige Gebüsch am Ufer der Halbinsel Priwall. Der Wind zerrte dort an den Zweigen, daß die nassen Blätter wie im Herbst davonflogen, man war froh, schon unter Deck zu sein.

Noch eine dritte Gruppe von Passagieren konnte man als zusammenhängend erkennen, auch sie hatte sich geschlossen um einen Tisch versammelt. Es waren weder Touristen noch Einheimische, es waren, wie das Bordpersonal es nicht eben freundlich ausdrückte, die Fettsäcke aus der Abmagerungsklinik in der Nähe von Travemünde. Menschen, die dort zur Kur waren, konnte man allerdings mit Fug und Recht als fett bezeichnen. Sie waren nicht nur ein wenig dick oder korpulent geraten, sie waren nicht einfach nur stark gebaut oder ein wenig in die Breite gegangen, sie waren richtig fett. So fett daß man sich auf der Straße unwillkürlich und verblüfft nach ihnen umsah, so fett, daß man auch nach guter Erziehung mit Fingern auf sie zeigte und spaßeshalber diskutierte, wieviel normale Hosen man wohl aus den Zeltplanen hätte machen können, aus denen etwa ihre unförmigen Bermudas geschneidert waren. Menschen, bei denen man sich fragte, ob sie noch durch normale Türen paßten und wie hinter das Lenkrad eines Autos oder in einen Flugzeugsitz. Menschen, die offensichtlich krankhaft dick waren, Patienten eindeutig. Sie machten in der Abmagerungsklinik eine mehrwöchige Hungerkur und fuhren zwischendurch für einen Nachmittag nach Travemünde, um schnell im Café Niederegger oder bei einer Butterfahrt ein paar tausend der verpaßten Kalorien nachzuholen.

Das Rollgitter des Verkaufskiosks unter Deck fuhr mit einem lauten Rasseln nach oben, die Verkäuferin rief ein munteres „Denn kann dat wieder losgehen!“ in die Runde und die ersten Passagier stellten sich bei ihr an, um Kaffee zu bestellen, Schwarzwälder Kirsch, Käsekuchen, einen Piccolo, Korn, Mettwurstbrötchen oder Erbsensuppe mit Würstchen. Speisen und Getränke waren spottbillig, man konnte ruhig mehrfach gehen. Das Schaukeln des Schiffes war nach einer Weile kaum noch zu bemerken, es war jetzt auf offener See und hier war die Dünung trotz des Windes langgezogen und ruhig, man gewöhnte sich daran. Dennoch balancierten die Touristen ihre Tabletts mit besonderer Vorsicht und gingen breitbeinig zwischen dem Kiosk und ihren Plätzen hin und her, als wären sie Matrosen auf einem Segelschulschiff vor Kap Horn.

Über die Bordlautsprecher wurde die Öffnung des kleinen Ladens ein Deck tiefer mitgeteilt, die aktuellen Angebote an Schnaps und anderen Waren wurden in monotonem Tonfall aufgesagt. Einzelne Passagiere gingen zum Einkaufen und kamen mit Plastiktüten beladen zurück, aus denen man Zigarettenstangen ragen sah, große Plastikeimer voller dänischer Lakritze, riesige Schokoladentafeln und leise klirrende Flaschen mit Aquavit oder Wodka. Das die Süßigkeiten gar nicht billig, sondern im Gegenteil maßlos überteuert waren, fiel den Touristen meist nicht auf – und wenn sie es gemerkt hätten, wäre es vielleicht doch noch zu einem Kauf gekommen, denn es war einfach zu faszinierend, einen Ein-Kilo-Eimer mit Lakritz zu erwerben. Die Einkäufe wurden an den Tischen herumgezeigt, Schokolade wurde angebrochen und probiert. Es regnete jetzt wieder und die Tropfen liefen, vom Wind getrieben, quer an den Scheiben längs. Draußen war jetzt kaum etwas zu sehen, grau das Meer, grau der Himmel. Einzelne Touristen setzten sich die Kapuzen ihrer Regenjacken auf und gingen an Deck, sie kamen aber schnell wieder herein, schüttelten ihre Jacken aus und stellten sich dann wieder verfroren am Kaffeeschalter an.

Die Patienten aus der Abmagerungsklinik sprachen wenig miteinander, das schlechte Gewissen lastete sichtbar auf ihnen. Sie bestellten zwei, drei Stücke Kuchen und dazu, wie um sich zu entschuldigen, den Kaffee mit Süßstoff statt Zucker. Sie trugen die Torte zu den Tischen, wobei sie quer durch die Tischreihen gehen mußten, weil sie in ganzer Breite nicht paßten. Sie entschuldigten sich betreten, wenn sie mit ihrer Körperfülle an den anderen Passagieren entlangstreiften. Ein Herr aus der Gruppe der Dicken hatte keinen Platz mehr bei den anderen Patienten gefunden, er saß jetzt deplaciert am Tisch der Einheimischen, wobei er auf der äußeren Kante der Bank saß und zwei Plätze einnahm, obwohl er sichtlich bemüht war, sich schmal zu machen. Sein massiger Oberkörper schien, als er sich über sein Stück Schwarzwälder Kirsch beugte, komplett auf dem Tisch aufzuliegen, weil er nicht genug Raum zwischen Banklehne und Tischkante fand. Als er den ersten Bissen im Mund hatte, seufzte er unwillkürlich laut auf. Seine Sitznachbarin, eine ältere Dame mit silberblauer Kurzhaarfrisur, die nach den Windstößen auf der Gangway reichlich unsortiert saß, hob ihr Glas Korn und trank ihm zu: „Schmeckt’s?“

Der dicke Mann wurde rot, er ließ die Gabel sinken und sah aus wie ein ertappter kleiner Junge. „Ich sollte das nicht essen“, sagte er, „aber ja, es schmeckt. Sehr gut sogar“. Er aß weiter, wobei er nur sehr kleine Bissen auf die Gabel nahm, wie um zu kaschieren, daß da gleich zwei große Stücke Torte vor ihm standen. „Essen sie doch bloß, wenn es ihnen Spaß macht“, sagte die Dame neben ihm nachdrücklich und trank ihren Korn aus, wobei sie den Kopf ganz undamenhaft weit nach hinten warf, „essen sie bloß. Es hat keinen Zweck, sich irgendwas zu verkneifen, wenn wir erst tot sind, kriegen wir gar nix mehr.“ Der dicke Mann sah seine Nachbarin traurig an und sagte dann zwischen zwei Gabeln: „Deswegen wolle ich das Totsein eigentlich ganz gerne noch ein wenig vermeiden.“ Die Dame lachte, wandte sich ihm jetzt ganz zu und sagte, einen Zeigefinger erhebend: „Können sie nicht. Können sie doch eh nicht. Sie wissen nicht, wie lange sie zu leben haben, ich weiß es nicht, kein Mensch weiß es. Da können sie rein gar nichts dran machen, vergessen sie es doch einfach. Ich hab mir mein Leben lang alles verkniffen und wissen sie was? Ich denk nicht mehr dran. Ich nehme, was ich kriegen kann und es dauert, solange es dauert. Lassen sie mich mal durch, bitte?“

Der dicke Mann erhob sich mühsam, die Dame sagte „Bleiben sie am besten kurz stehen“, ging zum Kiosk und kam kurz darauf mit vier Gläsern Korn und einem Piccolo zurück. Sie setzte sich wieder und schob dem Mann ein Glas Korn hinüber, klopfte ihm auf seinen ungeheuer umfangreichen Oberarm und sagte dann, in einem Tonfall, als wollte sie ein Kind trösten: „Na komm, wir trinken mal Brüderschaft, dann haste wenigstens einen guten Grund für einen Schluck. Ich heiße Hilde.“ Der Mann sah sie überrascht an, hob dann aber das Schnapsglas, das in seinen Händen besonders winzig aussah und prostete ihr zu: „Helmut. Ich heiße Helmut. Prost Hilde!“ Hilde strahlte ihn an. Sie war, wie Helmut nicht übersehen konnte, nicht ganz nüchtern, aber auf eine ansteckende Art vergnügt, sie hatte ein mitreißendes Lachen und er mochte es, wie sie ihm bei jedem zweiten Satz leicht auf den Arm schlug. Hilde trank mit sichtbarem Genuß und sie gab sich ganz der in ihr aufsteigenden guten Laune hin, aß zwischen den Schnäpsen zwei Teller Erbsensuppe und gab, bevor sie sich ein abschließendes Stück Butterkuchen holte, ein kämpferisches „Was reinpaßt muß rein“ von sich.

Helmut kostete es gewaltige Anstrengungen, trotz dieser zusehends enthemmten Gesellschaft bei nur zwei Stück Torte zu bleiben und er kam sich geradezu heldenhaft vor, als er nach einer Weile ein Glas Mineralwasser bestellte. Als er allerdings Hildes ausgesprochen mitleidigen Blick auf sein Glas bemerkte, war er sich nicht mehr sicher, was er eigentlich wollte, er nippte an dem Wasser, in dem eine sehr blasse Zitronenscheibe und ein unförmiger Eiswürfel schwammen und hörte Hildes Ausführungen über Torte und Tod, die zunehmend wirrer wurden und aus immer mehr Wiederholungen gleicher Formulierungen bestanden, nur noch teilweise zu. Vor den Fenstern tauchte im Grau schon wieder die Mole von Travemüde auf, undeutlich sah man das kleine Leuchtfeuer an der Spitze. „Ist schön auf der Paloma“ sagte Hilde jetzt mit nachdrücklichem Nicken abschließend, „Ist immer wieder schön hier.“ Sie fing an zu summen, das Lied „La Paloma“, Seemannsbraut ist die See, ihr Oberkörper schunkelte, halb absichtlich und halb alkohol- und seegangsbedingt. Die Sonne kam jetzt doch noch einmal durch und schien unvermutet kraftvoll auf den Tisch vor Hilde und Helmut, es funkelte golden in den leeren Schnapsgläsern und Hilde sang im Überschwang des Moments ein langgezogenes „La Paloma ohé“, wobei sie die Augen schloß und das Ausklingen sichtlich genoß. Ihre Hand blieb für einen Augenblick auf dem Arm von Helmut liegen.

Die Touristen sahen sich amüsiert nach ihr um, Einheimische, die an derartige Szenen von ihr gewöhnt waren, sahen bemüht weg und stöhnten leise. Helmut stapelte versonnen die leeren Gläser zu einem kleinen Turm zusammen, wobei er kaum hörbar und in sehr falscher Tonlage, aber mit den richtigen Worten die Liedzeile von La Paloma fortsetzte: „Einmal muß es vorbei sein.“

Die Paloma legte mit einem leichten Stoß wieder am Kai an. Die Verkäuferin am Kiosk murmelte ein unbestimmtes „und tschüß“ in den Restaurantraum, ließ das Rollgitter wieder herunter und strich dann auf der Tafel, auf der die Angebote des Tages standen, Schwarzwälder Kirsch durch. Die Passagiere standen mit ihren Tüten Schlange vor dem Ausgang, bis das Schiff am Kai vertäut war und der junge Mann von der Besatzung wieder das quergespannte Seil freigab. Der Stahlboden des Decks glänzte hell und gleißend in der Sonne, während sich am Horizont draußen über der See schon wieder schwarze Wolken zusammenzogen.

Nächste Abfahrt in fünfzehn Minuten.

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