Der Kenner des globalen Obstmarktes weiß es natürlich: Durian nennt man auch Stinkfrucht. Eine wenig vertrauenerweckende Bezeichnung, wenn es darum geht, aus der Frucht Eis zu machen. Die Originalfrucht riecht angeblich stark nach faulen Eiern, Kot oder Benzin und die Tatsache, daß es sich dabei um das Lieblingsdessert der Orang-Utans handelt, verbessert das Image nur unwesentlich. Geschmacklich soll es sich laut Lexikonweisheit bei der Durianfrucht allerdings um etwas handeln, was an Vanille oder Karamel erinnert.

Die Erfahrungen, die wir mit diesem Eis gemacht haben, sprechen gegen diese mutmaßliche Ähnlichkeit mit wohlschmeckenden Produkten. Vielmehr schmeckt das Durianeis sehr deutlich, vollkommen unverkennbar und intensiv nach einem bei uns sehr bekannten Gemüse. Einem Gemüse, das man allerdings eher nicht als Eis am Stiel zu sich nehmen möchte, nämlich nach Zwiebel. Es riecht auch so, zwiebelig, abgestanden, muffig. Der Teint der schönen Nachbarin, die als mutiger Mensch zu Testzwecken herzhaft in das Eis gebissen hatte, verfärbte sich für einen Moment faszinierend grünlich, was gut zu ihrer Jacke paßte, aber nicht für Genuß stand. Die Herzdame verweigerte schon beim Anblick der Packung nähere Kontaktaufnahme und den Kindern auf dem Spielplatz enthielten wir das Eis nach diesem ersten Eindruck doch lieber vor, um dort nicht als Unmenschen bekannt zu werden, die Reste entsorgten wir heimlich und ohne weitere Proben.

Durianeis kann man nur für Situationen empfehlen, in denen man zum Beispiel unliebsame Gäste loswerden möchte. Ansonsten muß man wohl, um so etwas zu mögen, Thailänder oder Orang-Utan sein, womit ich natürlich weder die einen noch die anderen beleidigen möchte.

In der nächsten Folge: Ruam-Mit – auch sehr seltsam.

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