Vielen Menschen ist es selbstverständlich, daß man Schwangere mit besonderer Rücksicht zu behandeln hat. Man bietet ihnen einen Platz im Bus an, man läßt sie in Warteschlangen vor, man trägt ihr Gepäck – könnte man glauben. Tatsächlich ist es durchaus nicht so. Der Bauch wird eher geflissentlich übersehen, besonders im Bus oder im Zug sieht man allgemein angestrengt weg, das ritterliche Benehmen ist ganz erschreckend aus der Mode gekommen. Eine angenehme Ausnahme bilden hier Türken und Menschen aus arabischen Ländern, die deutlich und fast durchweg durch ein geradezu galantes Benehmen gegenüber Schwangeren auffallen.

Ein ganz besonderes Lob verdient der türkische Änderungsschneider der Herzdame. Dieser schon ältere Mann hat, als er vor einigen Wochen feststellte, daß sie schwanger ist, besorgt nachgefragt, wohin sie nach dem Anprobieren als nächstes gehen wolle. Als er das Ziel der Herzdame hörte und es für zu weit weg befand, riet er ihr dringend, doch lieber ein Fahrrad zu nehmen, statt zu Fuß zu gehen – und als er verstand, daß die Herzdame kein Fahrrad dabei hatte, nahm er einen Bolzenschneider aus seinem Werkzeugkasten, zeigte in großer Geste auf die diversen Fahrräder, die in der Nähe seines Ladens an Laternen angeschlossen waren und sagte mit schöner Selbstverständlichkeit: “Wenn du Fahrrad brauchst, ich besorg dir Fahrrad. Such einfach aus”.

Es ist nicht ganz so, als wenn ein Ritter ihr ein Pferd überlassen hätte, aber es ist doch sehr, sehr dicht dran.

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