Wir waren in einem Babymarkt vor den Toren der Stadt, einem Riesenladen, in dem es nichts als Kleinkindbedarf gibt – in absolut entsetzlich großer Auswahl. Allein um ein oder zwei Fläschchen auszuwählen, muß man etliche Regalmeter abschreiten und eine Unzahl von Angaben auf Verpackungen lesen, um wenigstens halbwegs zu verstehen, worum es geht. Um das schier endlose Aussuchen abzukürzen, sprach die Herzdame schließlich eine Verkäuferin an und bat, ihr die Unterschiede zwischen den Herstellern und Systemen mal eben zu erklären. Die Verkäuferin lehnte sich an ein Regal und fing an zu reden, schilderte Fläschchenformen und Saugervarianten, sprach über Materialien und Größen, Preise und Verträglichkeiten, Kindesgewohnheiten und Herstellerphilosophien, Griffstärken und Lochdurchmesser. Sie sprach und sprach und da ich schon nach wenigen Sätzen nicht mehr verstanden hatte, worum es gerade ging, wandte ich mich ab und sah mir in aller Ruhe den Rest des Ladens an. Ich fuhr Kinderwagen Probe, ruckelte prüfend an Kinderbetten, stupste Hängematten für Säuglinge an, pustete in niedlich sein sollende Mobilés, wühlte mich durch bunte Babykleidung und rüttelte an Rasseln.

Nach diesem ausgedehnten Bummel durch die Babyproduktwelt hatte ich auf sämtlichen Etagen alles gesehen und ging wieder zurück zu der Herzdame. Die Verkäuferin sprach immer noch unerbittlich auf sie ein. Sie hatte sich wahrscheinlich in Trance geredet, wie man an ihrem leicht glasigen Blick und den kleinen Bläschen in den Mundwinkeln erkennen konnte. Die Herzdame hatte beide Arme voller Fläschchen und wirkte immer noch ratlos. Um die Situation zu beenden und auch eingedenk meines Hauptberufes fragte ich: „Und? Welche sind am billigsten?“
Die Augen der Herzdame sahen zur Decke und der Blick der Verkäuferin schien plötzlich so etwas wie flammende Verachtung auszudrücken. Die Herzdame war allem Anschein auch gar nicht froh, auf diese mitfühlende Art von mir gerettet worden zu sein, vielmehr murmelte sie etwas von „nie mehr mitnehmen“ und „wenn man nicht alles alleine macht“ und „peinlichster Mann von allen“.

Eigentlich fühle ich mich ziemlich oft verkannt.

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