Die dritte Stunde des Geburtsvorbereitungskurses. Die Hebamme zeigt die Geräte, die dann zum Einsatz kommen, wenn nicht alles ohne Hilfe klappt, also die Saugglocke und die Zange. Beides wird herumgereicht. Während die Männer durchweg die technischen Eigenschaften der Instrumente kommentieren und interessiert von “stabilem Stahl“ „geringer Druckkraft im kurzen Winkel“, und „optimierter Zerlegbarkeit“ sprechen, werden die Damen reihenweise sehr blaß und geben die Dinger schnell und kommentarlos weiter. Die Hebamme deutet vorsichtig an, daß es bei Einsatz dieser Sondermittel kurzfristig zu sichtbaren Folgen am Kind kommen könnte, also etwa leichten Druckstellen oder Dellen im Kopf. Dies würde sich aber schon nach wenigen Stunden wieder geben und außerdem gäbe es dergleichen auch mal bei einer normalen Geburt, leicht verbogene Ohren zum Beispiel seien durchaus normal und häufig. Und nach ein paar Stunden verschwänden diese Spuren von selbst. Dellen würden sich wieder ausgleichen, Ohren bald in die richtige Position drehen. In der Regel schon in wenigen Stunden. Spätestens nach ein paar Tagen.

Nach mittlerweile vierzig Jahren muß ich mir aber wohl keine Hoffnung mehr machen, was die Ohren betrifft, nehme ich an.

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