Man kennt sich aus

Vielleicht liegt es an der steigenden Geburtenrate, vielleicht war es aber auch schon immer so, ich weiß es nicht, aber eines ist klar: Der Deutsche an sich kennt sich aus, was die Schwangerschaft betrifft. Männer und Frauen aller Altersgruppen sind da ganz erstaunlich kundig und auskunftsfreudig. Insbesondere das Geschlecht und den Geburtstermin betreffend ist man hier umgeben von ungeheuer kompetenten Menschen, die meinungsstark und wohlmeinend ihr Wissen teilen möchten. Beim Strandspaziergang am Wochenende in der Lübecker Bucht wurden wir etwa alle fünf Meter von wildfremden Menschen angesprochen:

“Oha, der Bauch ist aber schon weit unten. Kann losgehen!”

“Wann soll es kommen, heute oder morgen?”

“Vierzehn Tage, junge Frau, vierzehn Tage!”

“Ein Junge, was? Sehe ich. Ich sehe das immer.”

“Spitzer Bauch, Junge. Ganz klar.”

“Beim zweiten Kind ist der Bauch ja immer größer. Ach, es ist das Erste?”

“Zwillinge, was?”

“Zwei oder mehr?”

“Wenn es gleich losgeht, fahren sie am besten nach Lübeck.”

“Ein Jungenbauch. Aber wird noch viel tiefer rutschen.”

“Meine Güte, ist DAS groß!”

“Na, ein, zwei Tage noch?”

“Hat sich schon gesenkt oder?”

“Startklar. Das sehe ich. Ich sehe das immer.”

Wobei es wirklich verblüffend ist, daß man hier in Norddeutschland, wo man eigentlich eisern nicht miteinander spricht, wenn man nicht gerade seit vielen Jahren ein Büro teilt oder miteinander verwandt ist, plötzlich durch den dicken Bauch mit allen Menschen ringsum ins Gespräch kommt und die auch noch durchgehend sehr nett sind.

Ich bezweifele aber stark, daß dieser allgemein freundliche Zuspruch weiter anhält, wenn man erst ein schreiendes Baby auf dem Arm hat.