Es gibt keine einzige Veröffentlichung über das Stillen, sei es gedruckt, online oder auch als Film, die darauf verzichten könnte irgendwann darauf hinzuweisen, daß ein Baby beim Nuckeln „einen guten Mund voll Brust“ nehmen sollte. Hört man es zum ersten Mal, klingt es noch seltsam, dann gewöhnt man sich schnell daran, weil die Phrase im Geburtsvorbereitungskurs, in Büchern etc. permanent gebraucht wird. Ich nehme an, es handelt sich um einen Satz, den man, aus welchen Gründen auch immer, zwingend geschrieben oder gesprochen haben muß, wenn man sich dem Thema widmet. Ganz so wie etwa an die Wortfolge „nichts ist unmöglich“ zwanghaft eine Automarke angehängt wird oder bei der Erwähnung von Grünkohl immer jemand sagt, daß er Frost gehabt haben muß, das sind so Zusammenhänge, auf die man jeden beliebigen Betrag wetten kann. Sagt man also „Stillen“, muß man auch das mit dem guten Mund sagen. Immer. Die Herzdame und ich sind zwar noch gar nicht beim Stillen angekommen, aber ich hake diesen Satz mit diesem Eintrag schon einmal vorgreifend ab, damit ich ihn los bin.

Wenn man übrigens Blogger ist und daher abends im Bett vor sich hin überlegt, was man über diesen seltsamen und so faszinierend regelmäßig wiederkehrenden Satz mal Heiteres schreiben könnte und wenn man dabei unwillkürlich anfängt laut zu überlegen und dann nebenbei mehrmals leise probehalber „einen guten Mund voll Brust, einen guten Mund voll Brust“ vor sich her murmelt – dann kann es schon sein, daß einen die Frau daneben, die nicht wissen kann, was einen gerade beschäftigt, etwas beunruhigt ansieht und die Hände vorsorglich schützend vor das Dekolleté hebt.

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