Die lange Karawane der Sachbearbeiter, die sich morgens in der Hamburger City-Süd von der S-Bahnstation zu den Bürogebäuden windet, ist zur Zeit etwas schneller als sonst unterwegs. Kältebeschleunigt hasten die frierenden Menschen über die Straßen, fluchend und zitternd, tief in die viel zu dünnen Übergangsjäckchen vergraben, die man aber doch eisern weiter trägt, zumindest bis es schneit, bis es friert, bis es November oder Dezember wird, ich weiß nicht wie lange, zu lange jedenfalls. Hochgezogene Schultern überall, blaublasse Hände halten wehende Kragen zu oder umkrallen Kaffeebecher aus Pappe, aus denen es tröstlich dampft.

Vor den Bürogebäuden hüpfen verfrorene Raucher auf und ab und ziehen hektisch an den Zigaretten, mit einer Hand halten sie sich die Türen auf und lassen eine Körperseite im Warmen, nur der rauchende Teil muß raus. Möwen sitzen aufgeplustert auf den Rundbögen der Laternen und gucken blasiert auf die unter ihnen wimmelnden Angestellten. Die diskutieren, ob es da, wo sie wohnen, schon gefroren hat. Bei uns da draußen, in Langenhorn, in Pinneberg, in Harburg, in Lübeck, da war alles ganz weiß, kratzen mußten wir auch schon am Auto und ganz unten im Süden, in München, da war sogar schon Schnee, hört man, ja Schnee. Echt. Hm, der Winter, sagen sie, immer die gleiche Scheiße. Einen Schal könnte man jetzt tragen, Handschuhe auch und die anderen, die dickeren Schuhe, müßte man alles nur mal ausgraben, dringend. Gleich am Wochenende. Kann man auch schon die ganze Deko rausholen, wenn man eh dabei ist, die ganze Weihnachtskiste. Ist ja sowieso bald. Fünfzig Tage oder so! Erschreckte Blicke, Staunen, schnelles Nachrechnen: Ach ja. Geht das auch schon wieder los.

Und ein Raunen geht durch die Menge: Jetzt ans Schenken denken!

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