Umstellung

Manche Dinge werden mit Kind wesentlich schwerer, noch schwerer sogar, als ich es mir je vorgestellt habe. Es gibt nämlich Gewohnheiten, die man im Laufe der Jahre sehr, sehr lieb gewonnen hat, von denen man sich mit Kind unvermittelt trennen muß, ganz egal, wie bestimmend sie bisher für die Persönlichkeit waren.

Zum Beispiel kann ich nicht mehr, wie ich es doch seit vielen, vielen Jahren gewohnt bin, schlechtgelaunt aufwachen, bis zum ersten Kaffee nur Brummgeräusche von mir geben und die Augen dabei gerade eben soweit aufmachen, daß es für eine grobe Orientierung Richtung Badezimmer reicht. Das geht einfach nicht mehr.

Man kann nicht in Frieden schlechtgelaunt sein, wenn man morgens mühsam ein Auge öffnet und aus Richtung Kinderbett ein umwerfendes Strahlen sieht, eine überbordende Begeisterung und freudig aufgerissene Augen. Wenn man dazu noch dieses Jauchzen hört, diese kleinen, hohen, jubelnden Begeisterungsschreie, wenn man diese wild und enthusiastisch wedelnden Ärmchen sieht – und wenn man selbst bei größtmöglichem Bemühen um Ignoranz nicht verkennen kann, daß diese ganze Freude nur der Tatsache gilt, daß Papa endlich wach ist, da muß man einfach gutgelaunt den Tag beginnen. Es ist vollkommen hoffnungslos.

Am Ende werde ich den Tag routinemäßig mit einem seligen Dauergrinsen beginnen, wie damals die Sonntagmorgen-Rama-Familie im Werbefernsehen, die Älteren erinnern sich bestimmt noch. Sehr peinlich, aber da muß man durch.

Neu auf dem Nachttisch

„Rechts und Links“ von Joseph Roth, zuerst erschienen 1929. Der Roman beginnt so:

„Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der Paul Bernheim versprach, ein Genie zu werden.

Er war der Enkel eines Pferdehändlers, der ein kleines Vermögen gespart hatte, und der Sohn eines Bankiers, der nicht mehr zu sparen verstand, aber vom Glück begünstigt wurde. Pauls Vater, Herr Felix Bernheim, trug ein sorgloses und hochmütiges Angesicht durch die Welt und hatte viele Feinde, obgleich ihn ein normaler Grad von Torheit befähigt hätte, von seinen Mitbürgern geschätzt zu werden. Sein ungewöhnliches Glück erweckte ihren Neid. Als hätte es das Schicksal darauf abgesehen, sie vollends zur Verzweiflung zu bringen, bescherte es ihm eines Tages einen Haupttreffer.“

Tips für Väter (5)

Wenn Sie sich versehentlich die ungünstige Kombination „sehr großes Kind – sehr kleiner Kinderwagen“ zugelegt haben, erreichen Sie verblüffend schnell den Punkt, an dem das Kind zwecks Ausfahrt gefaltet werden muß, da es sonst nicht mehr recht in das kuschelige Nest paßt. Mütter sehen es allerdings im allgemeinen nicht gern, wenn man die Kinder mittig einknickt, um sie der Länge von Gebrauchsgegenständen anzupassen, da nützt auch der Hinweis auf die Kostenersparnis nichts, wenn der Wagen noch ein wenig länger gefahren werden kann. Der Vorschlag, am Fußende etwas aus dem Wagen zu schneiden, so daß der überlange Nachwuchs während der Fahrt mit den Füßen entspannt an der frischen Luft herumstrampeln kann, stößt sicher auch nicht auf Begeisterung, obwohl die Füßchen bestimmt gar nicht mal so kalt werden, wenn man sie mit mehreren Lagen Socken versorgt und den Wagen gelegentlich mit dem Fußende unter einem der neuerdings so zahlreichen Heizpilze in der Stadt parkt.

Nein, Gegenwehr ist vollkommen zwecklos. Gehen Sie hin und kaufen Sie einen neuen Wagen. Einen sehr, sehr großen Wagen. Und sehen Sie zu, daß Sie bald mal einen Tag allein zu Hause sind, damit Sie wenigstens in Frieden am Kinderbett werken können. Schon mit wenig billigem Kistenholz, einer Säge und einem Hammer kriegen Sie da nämlich eine mittig eingebaute und tadellose Verlängerung hin – wenn man Sie nur läßt.