Nach der Geburt eines Kindes hangelt man sich so von Etappe zu Etappe durch die Zeit. Die Wochen danach sind voller wichtiger Kleinereignisse, die mehr oder weniger genormt eintreten. Das Kind schläft nach soundso viel Tagen zum ersten Mal in der Wohnung der Eltern, das Kind wiegt mehr als bei der Geburt, die Eltern werden zum ersten Mal angestrullt, das Kind lächelt, die Eltern hören auf, alle zehn Sekunden nach dem Kind zu sehen, die Eltern haben wieder Sex, sagt man jedenfalls, das Kind kann den Kopf schon fast selbst halten, man fährt mit dem Kinderwagen eine Rolltreppe hoch, das Kind greift nach Dingen, man braucht schon eine neue Größe bei der Babykleidung, das Kind lernt gezieltes Daumenlutschen – und immer so weiter.

Eine wichtige Station kommt in der ganzen ratgebenden Literatur, die solche Vorkommnisse gerne checklistenmäßig und seitenlang aufzählt, allerdings merkwürdigerweise nie vor, obwohl die Herzdame als beispielhaft Betroffene sie für ganz außerordentlich bedeutend hält. Da wir diesen Punkt gerade gestern morgen erreicht und erkannt haben, schlage ich vor, alle werdenden Eltern drucken und schneiden sich die folgenden Zeilen aus und kleben sie an geeigneter Stelle in die tabellarische Aufzählung, die sie ganz sicher irgendwo in ihrer Literatur finden:

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„Zwischen der achten und neunten Woche gelingt es der Mutter erstmals wieder, einen Schluck Kaffee zu trinken, bevor er ungenießbar kalt geworden ist.“
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Und man glaube nicht, es wäre unwichtig. Das war am Morgen – und abends strahlte die Herzdame immer noch.

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